Da wird ja das Grillfleisch im Fladenbrot verrückt! Bisher galt Berlin als die Heimat des Döner Kebab, jetzt behauptet Nevzat Salim (59) aus Schwaben: „Mein Vater und ich haben ihn als Erste in Deutschland eingeführt.“
Als Beweis dient ihm ein Foto, dass ihn in einem mobilen Döner-Stand vor dem Rathaus in Reutlingen zeigt. Angeblich ist das Bild 1969 aufgenommen. Damit ist die Lage, wer der wirkliche Döner-Erfinder ist, weiter unübersichtlich. Erst vor zehn Monaten wurde Kadir Nurman (79, aus Charlottenburg) mit der Ehrung für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 1972 hatte er in seinem Imbiss am Bahnhof Zoo das Fast Food aus der Türkei für 1,50 pro Stück angeboten. Inzwischen gibt es 1300 Dönerbuden in Berlin, bundesweit werden jährlich 2,7Milliarden Euro mit Dönern umgesetzt.
Auch die Familie Aygün, die in der Adalbertstraße (Kreuzberg) das bekannte Hasir-Restaurant betreibt, beansprucht den Erfinder-Titel, will den Döner bereits 1971 in Berlin eingeführt haben.
Nun also der aus Schwaben. Nevzat Salim sagt: „Der Döner hat eine lange Geschichte in Deutschland und ich habe auch einen Anteil daran. Ich will weder Titel noch Berühmtheit, aber Rechtmuss Recht bleiben.“
Der größte Döner der Welt wurde 2007 in der westtürkischen Stadt Bursa (gilt als mögliche Wiege des Kebabs) zubereitet. 240 Lämmer mussten für den 2,7 Tonnen schweren Fleischberg ihr Leben lassen. Der Spieß war 3,70 Meter lang. Dafür wurden auch 15.000 Menschen von dem Döner XXL satt.
Jürgen Kirchherr vom Gaststättenverband Dehoga: „Das ist alles verwirrend und auch überraschend.“ Zumal der heutige Döner Kebab mit dem der ersten Jahre kaum was gemein hat. Kadir Nurman: „Am Anfang habe ich das Hackfleisch aus Kalb und Rind einfach in ein Brötchen getan, dazu Zwiebeln und ein bisschen grüner Salat. Keine Sauce, keine Gewürze. Das war’s.“
So wird der Döner übrigens noch heute in Istanbul verkauft – statt im Brötchen allerdings im Fladenbrot, was es damals in Deutschland noch nicht gab.
Beim Gedanken, was heute so alles im Döner angeboten wird, verzieht auch Nevzat Salim das Gesicht. Rotkraut und Mayonnaise etwa haben für ihn nichts darin zu suchen. „Das verfälscht nur den Geschmack.“ Auch sonst gibt es seiner Meinung nach für die Dönerbuden viel Luft nach oben: „Die Betreiber müssen mehr auf Qualität, Hygiene und Freundlichkeit achten.“
SCHA

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