Rund jeder zwölfte Berliner kann sich seine Wohnung nach dem neuen Verbrauchermonitor nicht mehr leisten. Acht Prozent der Hauptstädter gaben bei der jährlichen Befragung an, dass sie aus diesem Grund bald ausziehen, heißt es in der Untersuchung für die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz, die am Freitag vorgestellt wurde.
Für mehr als drei Viertel der Interviewten (77 Prozent) war ein Auszug wegen gestiegener Mieten dagegen kein Thema. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die die 60 000 Euro teure Studie erstellt hat, sieht in diesem Ergebnis keinen Hinweis auf eine verstärkte Verdrängung sozial schwacher Mieter (Gentrifizierung).
Für den neuen Verbrauchermonitor, in dem die Hauptstädter zum dritten Mal seit 2009 nach ihren Erwartungen an Verbraucherschutz gefragt werden, interviewte die GfK im Oktober 700 deutschsprachige Berliner über 14 Jahren und 200 Familien mit türkischen Wurzeln. Spontan nannten die Befragten am häufigsten die Themen Lebensmittel und Wohnen als wichtigste Handlungsfelder für Verbraucherschützer. Auf dem dritten Platz kam der Bereich Telefon und Internet.
Nach Fleischskandalen und Ekel-Listen wundert das Misstrauen gegenüber Lebensmitteln wenig - allerdings ist es nicht mehr so stark ausgeprägt wie in den Vorjahren. Doch noch immer zweifelt ein Viertel der befragten Berliner daran, dass Lebensmittel ausführlich kontrolliert werden und gesundheitlich unbedenklich sind. Sie klagen über Konservierungs- und Zusatzstoffe, fehlende Kennzeichnung und Mogelpackungen, wie Michael Plock für die GfK berichtete.
Beim Thema Wohnen klingt die Lage ernster: Bei jedem fünften Berliner hat sich die Miete der Studie zufolge in den vergangenen beiden Jahren spürbar erhöht. In Familien mit türkischen Wurzeln klagten sogar drei Viertel über eine Steigerung der Miet- oder Mietnebenkosten. Rund jeder fünfte Mieter fühlte sich seinem Vermieter gegenüber machtlos. „Und jeder zweite Berliner Mieter versteht seine Betriebskostenabrechnung nicht“, sagt Plock. Bei Problemen mit Vermieter oder Hausverwaltung wussten sich deutschsprachige Befragte deutlich besser zu helfen als türkische Migranten. Unter ihnen gab mehr als ein Drittel zu, die Rechte und Pflichten eines Mieters nicht genau zu kennen.
Für Sabine Toepfer-Kataw, Staatssekretärin für Verbraucherschutz, gibt es nach den Ergebnissen des Monitors Handlungsbedarf. „Das ist wie ein Frühwarnsystem“, sagte sie. Besonders türkischsprachige Mieter müssten in der Wahrnehmung ihrer Rechte gestärkt werden, sagte sie. Dafür müsse zum Beispiel die Möglichkeit für Wohngeld bekannter werden.

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