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Freitag, 3. August 2012

Schluss mit dem Krach: S-Bahn macht Jagd auf Nerv-Musikanten


In U-Bahnhöfen ist das Musizieren nach Anfrage erlaubt, aber ...
In U-Bahnhöfen ist das Musizieren nach Anfrage erlaubt, aber ...
Foto: ddp
Berlin –  

Die einen lieben die Musikanten, die mit Gitarre, Balkan-Gebläse oder Akkordeon eine Station lang den S-Bahnwaggon aufmischen. Das ist der Sound der Hauptstadt, freuen sie sich. Die anderen verdrehen die Augen, sobald Klampfe und Klimperbeutel durch den Zug getragen werden. Sie wollen auf dem Weg von und zur Arbeit nix als ihre Ruhe. Die Kritik an den musizierenden Fahrgästen wächst, sagt die S-Bahn Berlin GmbH. Und geht deswegen jetzt gegen organisierte Musiker vor.

Laut Beförderungsbedingungen ist Musik-Guerilla für Kleingeld in der S-Bahn grundsätzlich verboten. „Betteln, sammeln, werben oder mit dem Ziel des Gelderwerbs Schau- oder Darstellungen tätigen“ – tabu. Geltende Vorschriften sollen nun auch wirklich durchgesetzt werden.

... das Fideln in der fahrenden S-Bahn dagegen verboten.
... das Fideln in der fahrenden S-Bahn dagegen verboten.
Foto: dpa

„Insbesondere Pendler sind von der Dauerbeschallung in den Zügen genervt, vor allem, wenn sie sich dauernd dasselbe anhören müssen – noch dazu in schlechter Qualität“, sagte eine Sprecherin der S-Bahn der Berliner Zeitung. Es gebe zahlreiche Beschwerden.

Daher sollen künftig Sicherheitsleute Abmahnungen für ein Jahr aussprechen, und auch die Personalien der Musikanten aufnehmen. Wer nochmals erwischt wird, kann ein Beförderungsverbot von drei Monaten erhalten. Ganz Hartnäckigen droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Es brechen also harte Zeiten an für die Bahn-Beschaller. Besonders auf der Touristrecke zwischen Alex und Zoo sowie in der Ringbahn sind sie meist unterwegs. „Die Gruppen reisen extra an, um auf diese Art Geld zu machen“, so die S-Bahn. Die Musiker sind oft aufdringlich. „Fahrgäste fühlen sich genötigt“, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB zum KURIER.

Dass das auch in U-Bahnen der Fall sein könnte, nimmt man bei der BVG in Kauf. Man weiß dort, wie schwer es ist, Verbote durchzusetzen. „Die Musiker haben fast immer einen Fahrschein“, so BVG-Sprecher Klaus Wazlak. „Nach einer Kontrolle steigen sie aus, warten auf die nächste Bahn und spielen dort weiter. „Wir würden es für viel wirkungsvoller halten, wenn die Fahrgäste einfach kein Geld mehr geben“, so Wazlak. Seine Hoffnung: Wenn es im Beutel nicht mehr klimpert, bleiben auch die Saiten ungezupft.

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