Kiez&Stadt
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Dienstag, 10. Juli 2012

Verzweifelte Mieter im Prenzlauer Berg: Das Raus-Ekel-Haus

Von K. OBERST und P. DEBIONNE

Der Hinterhof des Hauses Straße. Noch ist die Hausfassade unsaniert.
Der Hinterhof des Hauses Straße. Noch ist die Hausfassade unsaniert.
Foto: Klaus Oberst
Prenzlauer Berg –  

Kaputte Briefkästen, Ratten im Hausflur, Graffiti an den Wänden und eine Hausverwaltung, die nichts dagegen tut. Weil sie die verzweifelten Mieter aus dem Haus haben will, um den Altbau zu sanieren und dann die Miete saftig zu erhöhen.

„Im Januar 2011 wurde das Haus an den neuen Eigentümer verkauft, und seitdem haben wir immer wieder Probleme“, sagt Michael Ebert. Der 50-Jährige weiter: „Ratten laufen hier rum und die Briefkästen werden demoliert, aber das sind noch die harmloseren Vorfälle.“

Gefährlich wurde es im April. Laut Michael Ebert sollen Unbekannte in einer der bereits leerstehenden Wohnungen „ein recht großes Stück von der Gasleitung“ abmontiert haben. „Weil ich ein Krachen gehört habe, bin ich runter gegangen und habe nachgeschaut. Und so habe ich das Leck und das ausströmende Gas zum Glück entdeckt und die Feuerwehr gerufen. Sonst wären wir hier alle in die Luft geflogen!“

Alle – das sind die letzten vier von ehemals 18 Mietern, die sich weigern, ihre Heimat in der Nähe vom S-Bahnhof Schönhauser Allee zu verlassen. Eine davon ist Inge Bergk, die seit 53 Jahren in ihrer Wohnung lebt. Die ehemalige Schneiderin von Lotte Ulbricht hat nach zähen Verhandlungen eine individuelle Lösung gefunden. „Ich darf zu den jetzigen Konditionen bleiben, zum Glück“, sagt die schwer krebskranke 78-Jährige. Doch auch sie leidet unter den schlimmen Bedingungen.

Als im letzten Winter für drei Wochen die Heizung ausfiel und niemand kam, um sie reparieren, „habe ich entsetzlich gefroren, trotz vieler Kleidungsschichten. Schön war das nicht. Aber ich lebe schon seit über 50 Jahren hier, auch meine Schneiderei war hier im Haus. Wie sagt man noch? Einen alten Baum verpflanzt man nicht ...“

Auch Michael Ebert ist fest entschlossen, in seiner kleinen 36-Quadratmeter-Wohnung zu bleiben. „Die von der Wohnungsgesellschaft wollten mir sogar 5000 Euro zahlen, wenn ich freiwillig ausziehe. Hab ich aber abgelehnt. Und jetzt soll ich anscheinend mit anderen Methoden vergrault werden.“

Und dann fügt frühere Kapitänleutnant der NVA hinzu: „Aber da haben sich die feinen Herren leider den Falschen ausgesucht. Ich schon ganz andere Sachen mitgemacht. Das hier steh ich da auch noch durch!“

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