Kiez&Stadt
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Samstag, 30. Juni 2012

Millionenschäden in Berlin: Die Nacht des großen Rumms


Berlin –  

Zerquetschte Autos, zertrümmerte Schornsteine, zerstörte Gasleitungen und Familien, die jetzt obdachlos sind. Der Gewittersturm über dem Norden Berlins hat in der Nacht ganze Straßenzüge verwüstet. Allein in Tegel wurden in einer 250-Meter-Schneise mehr als 100 Bäume entwurzelt. Es entstand ein Millionenschaden.

Anwohner beschrieben den Sturm als Tornado, der durch die Straßen gefegt sei. Dem Deutschen Wetterdienst in Potsdam lagen aber keine Informationen über einen Wirbelsturm vor. Allerdings sei eine Windhose in der Nähe eines starken Gewitters möglich. „Es grenzt an ein Wunder, dass niemand getötet wurde“, sagt Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. Von 22 bis 3 Uhr war Ausnahmezustand. Die Retter rückten 125 Mal aus. Die Windhose fegte drei Schornsteine vom Dach eines Hauses in der Veitstraße. Die Trümmer krachten in die Geschosse darunter. Mehrere Wohnungen wurden evakuiert. 22 Dachdecker und THW-Leute arbeiteten den ganzen Tag an der Reparatur. Riesenglück hatte ein Peugeot-Fahrer. Er war ebenfalls in der Veitstraße, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Nur eine Schramme an der Hand, mehr ist ihm nicht passiert.

Einige Hundert Meter weiter in der Gorkistraße wurde das 600 Quadratmeter große Dach eines 1933 gebauten Wohn- und Geschäftshauses komplett abgedeckt. Für rund 30Menschen mussten mitten in der Nacht Notunterkünfte gefunden werden. Inzwischen wurden einige vom Besitzer des Eckhauses in einem Hotel untergebracht. Erika Schulz (52) und ihr Mann Wolfgang (55) kamen bei der Schwiegertochter unter. Erika erzählt: „Wir mussten gegen Mitternacht raus. Vorher hat das Haus gewankt. Dann gab es einen Rumms. Ich habe die Nacht kein Auge zugemacht.“

Angelika (54) und Christian Hecker (63) ging’s ähnlich. Wie die Schulzes holten sie am Mittag ein paar Kleinigkeiten aus ihren Wohnungen – auf eigene Gefahr: „Auf den ersten Blick scheint drinnen alles in Ordnung zu sein.“ Bei Christian Hecker sitzt der Schock noch tief. Er hatte geahnt, dass so was passieren könnte: „Auf dem Dach standen noch Schornsteine, die seit den 80er-Jahren nichtmehr genutzt wurden.“

Chaos auch in der Brunowstraße. Sie wurde durch umgestürzte Bäume dermaßen verwüstet, dass die Feuerwehr nicht mehr durchkam. Am Brunowplatz wurde ein Nissan von einem Baumplatt gedrückt. Ein Werbeplakat an den Borsighallen in der Berliner Straße stürzte samt Stahlgerüst aus 20 Metern auf den Gehweg. Etwa 70 Autos wurden in der nahen Umgebung beschädigt.

„Ursache der starken Gewitter war der Zusammenstoß von heißer, subtropischer Luft mit kalter Atlantikluft“, sagt Dr. Karsten Brandt (39) von Donnerwetter. de. Da treffen Temperatur-Unterschiede von 15 Grad aufeinander – und dann knallt es! Brandt ist sich sicher: „Gewitter werden uns in den nächsten ein, zwei Wochen begleiten. Insgesamt rechne ich mit einem Gewitter-Juli.“ Grund: Immer wieder erreicht uns subtropische Luft.

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