Anschnallen bitte! Wenn Ross Antony (38) im Mallorca-Bomber den VIP-Praktikanten gibt, ist mit Turbulenzen zu rechnen. Als Aushilfs-Steward im Easyjet-Flug EZY 4509 soll der „Popstars“-Juror für Party-Laune sorgen. Damit sich die Passagiere gleich nach Abflug in Schönefeld ganz nach Sommer, Sonne, Ballermann fühlen. Ich, der KURIER-Reporter, gehe gespannt mit an Bord.
In orangefarbener Arbeitskleidung empfängt Ross die Fluggäste in der Maschine. Auf dem kleinen Schild an seiner Brust steht: „Ross Antony, Praktikant“. Mit Kontroll-Blick prüft der Ex-Dschungelkönig jede Bordkarte. Viele Touristen sind völlig baff: Niemand hatte sie beim Ticket-Kauf vorgewarnt, dass sie ein waschechter Superstar bedienen würde. Gleich nach dem Start stellt Kapitän Nils Heibrock (44) den Ex-Sänger von „Bro'Sis“ per Lautsprecher-Durchsage als Flugbegleiter-Azubi vor. „Davon hat Ross schon sein ganzes Leben geträumt“, scherzt ein Besatzungsmitglied. Immerhin: Auch als Flugbegleiter braucht man Show-Talent.
Nach einer Blitz-Einweisung von Stewardess Saskia (29) hat Ross in 11.000 Metern Höhe seinen ersten Auftritt am Snack-Wagen. Es ist 13.20 Uhr, als sich der TV-Star (u.a. „Big Brother“, „GZSZ“) noch kurz per Funk ankündigt: „Hallo, meine Lieben! Ich bediene ab Reihe 17. Genießt es!“
Und dann geht’s los: Touristin Ines (39) aus Sachsen-Anhalt in der Reihe hinter mir ist weniger an Kaffee und Sandwich interessiert. Sie bestellt: „Ein Autogramm und ein Lied.“ Ross stimmt seinen ersten großen Hit „I believe“ (2001) an. Später wird er, passend zur Flugreise, auch noch „I believe I can fly“ trällern.
Lucy Diakovska sang früher bei den "No Angles" (Gewinner der ersten "Popstars"-Staffel 2000). Jetzt sitzt sie bei den Popstars in der Jury.
Foto: dpaEntscheidend ist nicht, ob jeder Ton sitzt. Die wichtigen Fragen lauten: Milch oder Zucker? Heiß oder kalt? Menü 1 oder Menü 2? Ross summt, Ross legt ein paar Tanzschritte hin, schnippt mit den Fingern. Kollegin Saskia schmunzelt: „Er macht das schon sehr gut, nur die Preise könnte er sich besser merken.“
Der Flieger düst über den Mont Blanc, den Genfer See, als ich bei Ross eine Cola bestelle. „Hier, nimm gleich noch ein paar Käse-Cracker“, lacht er.
Dann ist auch für ihn Essenszeit: Am hinteren Flugzeug-Ende in eine Ecke gequetscht, isst er mit den Stewardessen Hähnchen und Gnocchi aus der Bordküche. Ross: „Auf jeden Fall viel besser, als wenn ich selbst gekocht hätte.“
Eher unappetitlich ist die Aufgabe, die Ross vor der Landung noch bewältigen muss: Jetzt heißt es Gummihandschuhe überstreifen – und den Bordmüll einsammeln! Ross greift den leeren Kaffeebecher von Daniel (38), der alles auf Video festhält. Auch Essensreste und Verpackungen landen im Müllsack. Eine Frau gibt Ross sogar 1 Euro Trinkgeld. Das ist ihm gar nicht so fremd. Denn: „Ich war ja nicht immer Popstar auf Wolke 7, sondern habe auch schon als Kellner, Zeitungsbote und Verkäufer im Obstladen gearbeitet.“
Als Kapitän Heibrock sein Flugzeug um 15.45 Uhr in Palma landet, darf VIP-Praktikant Ross eine letzte Durchsage machen: „So Leute, jetzt hatte ich einen Schnupperkurs. Zurück kann ich die Maschine dann alleine fliegen.“ Er vertraut offenbar sehr auf seinen himmlischen Glücksbringer: ein Kreuz, das er aus dem Ehering seiner verstorbenen Oma herstellen ließ. Die meisten Passagiere verlassen den Mallorca-Bomber jetzt mit einem Lachen im Gesicht. Mission Ballermann: erfüllt.

Bischof Ralph Napierski (40) aus Spandau ging in die Geschichte ein: als Mann, der das Vorkonklave in Rom stürmte. Dabei war alles ganz anders, wie er dem KURIER erzählte. Mehr...
