Sie wollen bleiben, bis die Bagger kommen – oder der Räum-Trupp der Polizei. Die Wut-Rentner von Pankow halten ihre Begegnungsstätte besetzt, wollen die Schließung unbedingt verhindern. Sechs Senioren schliefen die erste Nacht auf Matratzen, dann gab’s ein Strategie-Frühstück. Eigentlich hätten sie am Sonnabend die Schlüssel abgeben müssen.
Was autonome Hausbesetzer so anstellen, haben diese 60- bis 95-Jährigen locker drauf. Plakate und Transparente („Wir bleiben alle“) hängen an Haustür und Zaun. Doris Syrbe (72) und Peter Klotsche (71) verrammeln das Tor mit einer Eisenkette. Wo der Rentner-Klub sonst Gymnastik- und Sprachkurse abhält, stehen Camping-Liegen. Andere Klub-Kollegen und Nachbarn bringen Essen. Die Besetzung (KURIER berichtete) startet in Tag 2.
Beim Kaffee auf der Veranda sagt Doris Syrbe: „15 Jahre lang haben wir uns hier in der alten Villa getroffen.“ Dass der Bezirk den selbstverwalteten Senioren-Treff mit Schachzimmer und Garten wegsparen will, ist auch für Margret Pollak (68) abwegig. Sie sagt: „Jede Woche kommen 300 Leute her, das Haus ist unersetzlich.“ Nicht für den Bezirk Pankow, der das Villengrundstück am feinen Majakowskiring offenbar teuer verkaufen will.
Eigentlich hatten es die Wut-Rentner ja erst mit einer leiseren Gangart versucht: brav Anträge an die BVV geschrieben, Polit-Profis umworben. „Aber das half wenig“, sagt Klubchefin Syrbe enttäuscht. Auch von einem für morgen geplanten Treffen bei Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) erwartet sie nur „Hinhalte-Taktik“. Zeit aber haben die Rentner nicht, wo ja schon der Hausmeister kam und die Küche vermessen wollte.
Ob sie sonst noch ungebetene Besucher erwarten? Doris Syrbe: „Wir bleiben, bis wir gewinnen - oder die Polizei uns rausträgt!“ Nicht, dass die Senioren gewaltbereit wären. Aber wer mal die liebevoll gepflegten Räume mit selbstgemalten Bildern sieht, der begreift ihre tiefe Empörung. Ihr Plan: Das Klubprogramm fortzusetzen, obwohl es ihren Klub ab Sonntag offiziell nichtmehr gibt ...

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