Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain. Dass diese Stadtbezirke boomen, weiß jedes Kind. Aber Hohenschönhausen und Lichtenberg? In den letzten zwei Jahren stiegen die Mieten dort laut Immobilien-Verband IVD um 9,6 Prozent. Der KURIER sah sich in den jetzt angesagten Kiezen des ehemaligen Arbeiterbezirkes um.
Brigitte L. (63) sitzt mit einem guten Buch im verglasten Wintergarten ihrer schmucken Wohnung. Vom vierten Stock ihres Eckhauses hat sie einen tollen Blick über die sanierten Häuser in der Pfarrstraße. „Ich wohne seit fünf Jahren hier, fühle mich auch sehr wohl, obwohl ich die Älteste im Haus bin“, sagt die ehemalige Kita-Köchin.
Ingenieur Ralf G. wohnt gegenüber. Der 40-Jährige hat gemeinsam mit ehemaligen Hausbesetzern das Gebäude Pfarrstraße 102 liebevoll saniert. „Viele Leute aus Friedrichshain, denen es dort zu laut ist, ziehen in den Kaskelkiez. Klar steigen die Mieten“, sagt er und fürchtet, dass sich das ehemalige Lebensgefühl mit den Zuzüglern ändert.
Lichtenbergs Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) bestätigt Mietsteigerungen im Weitling- und Kaskelkiez, in Karlshorst und Alt-Hohenschönhausen. „Wir haben eine starken Zuzug von Familien mit Kindern aus Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Pankow.“ Der Leerstand in Lichtenberg liege inzwischen unter fünf Prozent. „Wir brauchen eine Kappungs-Grenze bei Neuvermietungen.“
SEY/ROG
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