Eisenbahnen sind Philipp Bergmann völlig schnuppe. Der 19-Jährige wollte als Kind auch nie Lokführer werden. Trotzdem soll er jetzt für zwei Eisenbahn-Fachbücher blechen, die seine Mutter angeblich nicht in die Bibliothek zurückbrachte. Das Bezirksamt Lichtenberg lässt nicht locker.
„Wie Ihnen bekannt ist, besteht hier noch eine Forderung des Bibliotheksamtes...“, liest der frisch gebackene Abiturient. Die Gesamtforderung beträgt 51,53 Euro. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, erzählt er. „Von dieser Forderung habe ich zum ersten Mal gehört.“ Sofort fährt er zum Amt, will die Sache klären. Dort wartet die nächste Überraschung. „Die haben einen fetten Aktenordner über mich, bestimmt 70 bis 80 Seiten. Ein echter Schock!“
Bergmann erfährt, dass die Bibliothek am Tierpark seit zwölf Jahren die Fachbücher zurückfordert. „Ich war damals sechs Jahre, konnte weder schreiben noch lesen. Meine Mutter hat bereits im Jahr 2000 eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass sie kein Geld hat, was seitdem immer wieder überprüft wurde.“ Der junge Mann lebt mit seiner schwer kranken Mutter gemeinsam von Hartz IV. „Warum soll ich für Schulden bezahlen, die, wenn überhaupt, meine Mutter als Erziehungsberechtigte betreffen? Haben die im Amt nichts Wichtigeres zu tun?“
Die Frage ist berechtigt. Der KURIER fragte bei der Amtsleiterin nach. „Wir werden den Vorfall prüfen“, versprach sie. „Antwort in einer Woche. Wir haben sehr viel zu tun.“ BACH

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