Das tatsächliche Alter eines Menschen ist eine Zahl, die auf ein Ereignis in der Vergangenheit hinweist. Das wirkliche Alter hingegen hat viel mehr Komponenten. Wer wüsste das besser, als Deutschlands erfolgreichster Box-Trainer Ulli Wegner. Mit fast 70 treibt er Kämpfer wie Marco Huck, Yoan Pablo Hernandez, Arthur Abraham oder Robert Helenius zu Spitzenleistungen. Und sagt aus Überzeugung: „Otto Rehhagel als Trainer – das ist die beste Entscheidung, die Hertha BSC überhaupt treffen konnte.“
Otto ist 73. Aber Ulli haut sofort dazwischen. „Otto Rehhagel hat kein Alter. Er hat Autorität. Und genau das braucht dieser Hertha-Mannschaft. Einen, der im kleinen Finger die Fähigkeit hat, jeden seiner Sportler zu durchschauen, einzuschätzen und zu motivieren.“
Dienstag trainieren die Profis zum ersten Mal unter Otto Rehhagel. Um 10 und um 15 Uhr bittet der König seine Untertanen auf den Schenkendorffplatz. Ab Donnerstag findet das Training dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer König Otto also einmal über die Schultern schauen will, muss schnell sein.
Wer den Schaden hat (3 Trainer in 2 Monaten), der braucht für Spott nicht zu sorgen. Die Satire-Internetseite „Der Postillon“ unkt: „Rehhagel kurz vor Rauswurf.“ Die Begründung: Der Retter sei schon seit Stunden im Amt, habe aber immer noch keine Punkte geholt. Langsam werde Manager Preetz ungeduldig ...
„Geld schießt keine Tore.“
„Die Entscheidungen, die ich treffe, sind immer richtig.“
„Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.“
„Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“
„Ich bin mit Fußball geboren und ich will mit Fußball sterben. So lange ich ein Angebot bekomme, arbeite ich.“
„Mal gewinnt man und mal gewinnen die anderen.“
„Jeder kann sagen, was ich will.“
„Druck gibt es im Fußball immer, das ist so alt wie der Fußball selbst.“
„Mein Idealspieler existiert nicht, Perfektion gibt es nur im Computer.“
„Mit Sprüchen wurde noch nie ein Spiel gewonnen.“
„Ich kann überall arbeiten. Die Plätze sind überall gleich lang und gleich breit.“
„Frauen: das beste Trainingslager.“
„Ich habe mehr gewonnen als verloren.“
„Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“
„Wer Erster ist, hat immer Recht. Ich habe also Recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“
Bremens Trainer Thomas Schaaf: „Wir wissen, was Otto verkörpert. Ich glaube, er ist ein absoluter Fachmann. Ich habe da keine Bedenken.“
Augsburgs Manager Andreas Rettig: „Schön, dass so ein verdienter Mann zurück auf der Bühne ist. Rehhagel hat ein sehr schweres erstes Spiel - bei uns in Augsburg!“
Herthas Pierre-Michel Lasogga: „Da können wir uns echt geehrt fühlen, dass wir mit so einer Trainergröße zusammenarbeiten dürfen.“
Ex-Profi Jan-Aage Fjörtoft: „Das größte Comeback seit Elvis 1968."
Herthas Peter Niemeyer: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Otto Rehhagel. Mehr Erfahrung bei einem Trainer geht nicht."
Herthas Christoph Janker: „Ich hoffe, dass uns Rehhagel wieder auf die richtige Spur bringt."
Nürnbergs Trainer Dieter Hecking: „Auf mich macht Rehhagel den Eindruck, dass er heiß auf die Aufgabe ist. Ich glaube, dass es kein schlechter Schachzug von Hertha ist.“
Hoffenheims Trainer und Herthas Ex-Coach Markus Babbel: „Das ist grandios. Ich halte Rehhagel für einen fantastischen Trainer. Ich habe das große Vergnügen gehabt, unter ihm trainieren zu dürfen. Ich freue mich darauf, ihn bald zu sehen.“
Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz: „Ich hatte Rehhagel ein Jahr in München als Trainer. In dieser Saison wurde der FC Hollywood geboren. Von daher kann man das sehen, wie man will.“
Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: „Otto Rehhagel ist ein außergewöhnlicher Kollege. Ich freue mich auf seinen Wortwitz und seine Qualität als Trainer. Das wird, glaube ich, eine gute Geschichte in Berlin."
Ein Mann, ein Wort. Bei seiner Antrittsrede verkündete Herthas neuer Coach, Mister Bundesliga Otto Rehhagel, dass er den Montag für Gespräche auf der Geschäftsstelle nutzen wolle. Das tat er auch. Von Tür zu Tür, von Büro zu Büro – er schüttelte den Hertha-Mitarbeitern die Hand, begrüßte jeden persönlich. „Unser Büro ist jetzt geweiht“, freute sich ein Angestellter. Die Ehrfurcht vor König Otto ist groß. Dabei hat er mit dieser Aktion bewiesen: Er ist auch nur ein Mensch – ein verdammt sympathischer.
Eine Botschaft an die Hertha-Profis schickt er hinterher: „Wer mit dieser Trainer-Legende nicht automatisch 110 Prozent Leistung bringt, wer sich für einen Otto Rehhagel nicht die Beine rausreißt, der hat überhaupt nichts kapiert. Und verpasst eine Riesenchance.“
Wegner, der glühende Fußball-Fan, kann die Geschichten über den angeblich so antiquierten Kick von Rehhagel-Mannschaften nicht mehr hören. „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Ein guter Trainer lässt seinen Sportler oder seine Mannschaft nur das machen, was sie kann. Aber auf keinen Fall mehr.“
Ulli, der aus so unterschiedlichen Boxern wie Defensivspezialist Ottke und Haudrauf Huck Champions formte, erinnert sich: „Mit Bremen ließ Otto tollen Fußball spielen, weil er den Kader dazu hatte. Aber die sensationellen Leistungen seiner Karriere sind doch Lauterns Meistertitel als Aufsteiger und der EM-Triumph mit Griechenland.“ Damals, 2004, gab es Defensiv-Beton unter Rehhakles, aber Wegner fragt: „Was, bitteschön, ist denn an Siegen defensiv? Soll Hertha schön absteigen? Fühlt sich dann irgendjemand besser?“
Der Mann, der in drei Wochen seine Biographie „Ulli Wegner – Mein Leben in 13 Runden“ veröffentlicht und Ende April seinen 70. Geburtstag feiert, kommt noch einmal aufs Alter zurück. Er verehrt Manchester Uniteds Sir Alex Ferguson (70 Jahre) und bewundert gleichzeitig einen Jürgen Klopp (44). „Kloppo macht alles richtig. Dennoch wird er erst ein ganz Großer, wenn er nach den ersten brutalen Enttäuschungen als Trainer wieder aufsteht. Talent und Können wird erst durch Erfahrung zur Legende. Otto hat lange Wanderjahre hinter sich gebracht, konnte danach nur einmal bei Bayern nicht die angestrebten Ziele erreichen. Er ist ein Gigant der Trainerzunft.“
Am Wochenende will Ulli Wegner seinen Marco Huck im Duell mit Schwergewichts-Weltmeister Alexander Powetkin zur Sensation führen. Die Woche darauf will er ins Olympiastadion. Hertha gegen Bremen. Otto gegen Ottos Werk. Ulli Wegner: „Ich wette, Werder hat ein bisschen Bammel.“ LOR

Stellen Sie sich vor, Hertha wiederholt ein Relegationsspiel und fast keiner ist da. Mehr...

| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Borussia Dortmund | 80:25 | 81 | ||
| 2 | Bayern München | 77:22 | 73 | ||
| 3 | FC Schalke 04 | 74:44 | 64 | ||
| 4 | B. Mönchengladbach | 49:24 | 60 | ||
| 5 | Bayer Leverkusen | 52:44 | 54 | ||
| 6 | VfB Stuttgart | 63:46 | 53 | ||
| 7 | Hannover 96 | 41:45 | 48 | ||
| 8 | VfL Wolfsburg | 47:60 | 44 | ||
| 9 | Werder Bremen | 49:58 | 42 | ||
| 10 | 1. FC Nürnberg | 38:49 | 42 | ||
| 11 | 1899 Hoffenheim | 41:47 | 41 | ||
| 12 | SC Freiburg | 45:61 | 40 | ||
| 13 | 1. FSV Mainz 05 | 47:51 | 39 | ||
| 14 | FC Augsburg | 36:49 | 38 | ||
| 15 | Hamburger SV | 35:57 | 36 | ||
| 16 | Hertha BSC Berlin | 38:64 | 31 | ||
| 17 | 1. FC Köln | 39:75 | 30 | ||
| 18 | 1. FC Kaiserslautern | 24:54 | 23 | ||