Montag, 20. Februar 2012
Ulli Wegner

„Otto schlägt die Hertha-Krise k.o.“


Ulli Wegner: „Otto Rehhagel als Trainer – das ist die beste Entscheidung, die Hertha BSC überhaupt treffen konnte.“
Ulli Wegner: „Otto Rehhagel als Trainer – das ist die beste Entscheidung, die Hertha BSC überhaupt treffen konnte.“
Foto: Imago, Montage
Berlin –  

Das tatsächliche Alter eines Menschen ist eine Zahl, die auf ein Ereignis in der Vergangenheit hinweist. Das wirkliche Alter hingegen hat viel mehr Komponenten. Wer wüsste das besser, als Deutschlands erfolgreichster Box-Trainer Ulli Wegner. Mit fast 70 treibt er Kämpfer wie Marco Huck, Yoan Pablo Hernandez, Arthur Abraham oder Robert Helenius zu Spitzenleistungen. Und sagt aus Überzeugung: „Otto Rehhagel als Trainer – das ist die beste Entscheidung, die Hertha BSC überhaupt treffen konnte.“

Otto ist 73. Aber Ulli haut sofort dazwischen. „Otto Rehhagel hat kein Alter. Er hat Autorität. Und genau das braucht dieser Hertha-Mannschaft. Einen, der im kleinen Finger die Fähigkeit hat, jeden seiner Sportler zu durchschauen, einzuschätzen und zu motivieren.“

Hertha kompakt

Otto-Party

Dienstag trainieren die Profis zum ersten Mal unter Otto Rehhagel. Um 10 und um 15 Uhr bittet der König seine Untertanen auf den Schenkendorffplatz. Ab Donnerstag findet das Training dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer König Otto also einmal über die Schultern schauen will, muss schnell sein.

Otto Rehhagels beste Sprüche

„Geld schießt keine Tore.“

Stimmen zum Rehhagel-Comeback

Bremens Trainer Thomas Schaaf: „Wir wissen, was Otto verkörpert. Ich glaube, er ist ein absoluter Fachmann. Ich habe da keine Bedenken.“

Ein Mann, ein Wort: Otto begrüßt jeden

Ein Mann, ein Wort. Bei seiner Antrittsrede verkündete Herthas neuer Coach, Mister Bundesliga Otto Rehhagel, dass er den Montag für Gespräche auf der Geschäftsstelle nutzen wolle. Das tat er auch. Von Tür zu Tür, von Büro zu Büro – er schüttelte den Hertha-Mitarbeitern die Hand, begrüßte jeden persönlich. „Unser Büro ist jetzt geweiht“, freute sich ein Angestellter. Die Ehrfurcht vor König Otto ist groß. Dabei hat er mit dieser Aktion bewiesen: Er ist auch nur ein Mensch – ein verdammt sympathischer.

Eine Botschaft an die Hertha-Profis schickt er hinterher: „Wer mit dieser Trainer-Legende nicht automatisch 110 Prozent Leistung bringt, wer sich für einen Otto Rehhagel nicht die Beine rausreißt, der hat überhaupt nichts kapiert. Und verpasst eine Riesenchance.“

Wegner, der glühende Fußball-Fan, kann die Geschichten über den angeblich so antiquierten Kick von Rehhagel-Mannschaften nicht mehr hören. „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Ein guter Trainer lässt seinen Sportler oder seine Mannschaft nur das machen, was sie kann. Aber auf keinen Fall mehr.“

Was diese Blau-Weißen von Otto Rehhagel als „Retter“ halten

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Ulli, der aus so unterschiedlichen Boxern wie Defensivspezialist Ottke und Haudrauf Huck Champions formte, erinnert sich: „Mit Bremen ließ Otto tollen Fußball spielen, weil er den Kader dazu hatte. Aber die sensationellen Leistungen seiner Karriere sind doch Lauterns Meistertitel als Aufsteiger und der EM-Triumph mit Griechenland.“ Damals, 2004, gab es Defensiv-Beton unter Rehhakles, aber Wegner fragt: „Was, bitteschön, ist denn an Siegen defensiv? Soll Hertha schön absteigen? Fühlt sich dann irgendjemand besser?“

Der Mann, der in drei Wochen seine Biographie „Ulli Wegner – Mein Leben in 13 Runden“ veröffentlicht und Ende April seinen 70. Geburtstag feiert, kommt noch einmal aufs Alter zurück. Er verehrt Manchester Uniteds Sir Alex Ferguson (70 Jahre) und bewundert gleichzeitig einen Jürgen Klopp (44). „Kloppo macht alles richtig. Dennoch wird er erst ein ganz Großer, wenn er nach den ersten brutalen Enttäuschungen als Trainer wieder aufsteht. Talent und Können wird erst durch Erfahrung zur Legende. Otto hat lange Wanderjahre hinter sich gebracht, konnte danach nur einmal bei Bayern nicht die angestrebten Ziele erreichen. Er ist ein Gigant der Trainerzunft.“

Am Wochenende will Ulli Wegner seinen Marco Huck im Duell mit Schwergewichts-Weltmeister Alexander Powetkin zur Sensation führen. Die Woche darauf will er ins Olympiastadion. Hertha gegen Bremen. Otto gegen Ottos Werk. Ulli Wegner: „Ich wette, Werder hat ein bisschen Bammel.“ LOR

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So muss es wieder sein: Roman Hubnik (verdeckt) erzielt Herthas 1:0 im Hinspiel der Relegation.

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