Neuer Trainer, frischer Wind, endlich wieder Spaß am blau-weißen Kick! So ist der Plan beim Bundesliga-Absteiger Hertha BSC. Jos Luhukay soll nach der Drecks-Saison 2011/12 den in punkto Image und Status ramponierten Klub wieder aufpolieren. Am Sonntag legte Jos los: Mit ganz viel Gefühl, aber auch mit einer knallharten Kabinenpredigt zum Thema Disziplin.
11 Uhr, Hertha-Gelände, gut 500 Fans warten auf die Mannschaft. Und natürlich ganz besonders auf Luhukay. Doch ehe der 49-Jährige zum positiv besetzten Trainingsplatzsturm in eine bessere Zukunft bittet, lässt er in der Kabine ein paar Böller krachen. 25 Minuten zum Thema „Die Mannschaft ist wichtiger als jedes Ego. Und in der Mannschaft ist nichts wichtiger als Disziplin.“
So tickt der neue Cheftrainer, der weiß: „Wir wollen den Aufstieg, wir müssen zurück in die Bundesliga. Aber die Konkurrenz ist stark. Köln, Kaiserslautern, St. Pauli, 1860 München und dazu sicher noch ein Überraschungsteam werden uns alles abverlangen.“
Ja! Aufstieg plus Gewinn der Stadtmeisterschaft gegen den Lokalrivalen 1. FC Union. In der Zweitliga-Saison 2010/11 spielte Hertha in der Försterei 1:1, verlor das Rückspiel im Olympiastadion 1:2. Herthas damaliger Trainer Markus Babbel meinte nach der Heimpleite: „Darüber wird nur noch eine Woche gesprochen.“ Nonsens. Darüber wird noch in 100 Jahren geredet. Und die Hertha-Fans brennen auf die Revanche.
Die Spieler stehen auf hab acht! Denn Luhukays Regeln sind knallhart und glasklar: „Wenn jemand krank oder verletzt ist und nicht trainieren kann, muss er bis spätestens 8 Uhr früh bei mir anrufen. Ansonsten gilt er als gesund und wird bestraft, falls er nicht mitmachen kann.“ Rums!
Und: „Wer zu spät zum Training kommt, braucht sich gar nicht umzuziehen. Er ist raus! Die Mannschaft wird ohne ihn arbeiten.“ Nochmals rums!
Trainer Jos Luhukay und Manager Michael Preetz baggern an Mittelfeldspieler Peer Kluge vom FC Schalke 04. Der 31-Jährige mit 218 Bundesliga-Einsätzen (Schalke, Nürnberg, Gladbach) kann für Kleingeld gehen und könnte auf dem rechten Flügel Patty Ebert ersetzen, dessen Vertrag nicht verlängert wurde.
Doch diese Härte und Konsequenz verbindet der Holländer mit viel Gefühl. „Ich spüre die Emotionen, ich spüre, dass der Verein noch lebt. Toll, dass die Fans uns trotz der schwierigen Wochen und Monate so stark unterstützen. Wir wollen sie mit tollem Fußball belohnen.“
Dafür wird rangeklotzt. Und nicht gejammert. Auch nicht darüber, dass der Kader nur schemenhaft steht und das Geld für neue Stars knapp ist. Luhukay: „Ich kann damit umgehen, es beunruhigt mich nicht.“
Auch nicht die anstehende Stadtmeisterschaft, das Kräftemessen mit dem1. FC Union. Luhukay mit einem breiten Lachen: „Derbys lassen das Herz schneller schlagen. Ich weiß, was diese Duelle für die Ehre und das Herz der Fans bedeuten. Aber es sind nur zwei Spiele auf dem Weg zu unserem großen Ziel." LOR

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