Sonntag, 19. Februar 2012
Das Streik-Chaos

Ha-Ho-He, Drängel BSC

Von MIKE WILMS

Ha-Ho-He, Drängel BSC

Die Fan-Massen drängen sich am Bahnhof Ostkreuz in die S-Bahn. Viele sind total entnervt.

Foto: Friedel
Berlin  –  

Schubsen, drängeln, schwitzen. Und das alles mit einer kräftigen Portion Bier-Dunst garniert. Wer sich als Hertha-Fan oder BVB-Anhänger in der S-Bahn zum Stadion durchschlagen musste, brauchte Nerven aus Stahl. Der Streik bei der BVG sorgte für rappelvolle S-Bahn-Steige und überfüllte Züge. Die meisten Fans nahmen es sportlich, aber es gab auch grobe Fouls.

Ha-Ho-He, Drängel BSC! Schon drei Stunden vor Anpfiff platzt der Bahnhof Ostkreuz aus allen Nähten. Die Massen leucht-gelb bemützter Dortmunder wissen offenbar nicht, dass das Olympiastadion im tiefen Westen Berlins liegt. Auch am Ostbahnhof ist die Invasion aus dem Ruhrpott allgegenwärtig: „Ich könnte kotzen“, sagt ein kleiner blonder Hertha-Fan, der sich mit Papa die Beine in der Bauch wartet.

Bei dem Versuch, die S-Bahn-Fahrt zum Stadion unbeschadet und pünktlich zu überstehen, treffen wir auf Herthaner David (23) aus Biesdorf. Er sagt: „Der Streik ist, mal unter uns, einfach Scheiße. Ich habe heute schon viel Gequetsche hinter mir – und bin doch erst in Friedrichshain!“

Vom Fahrt-Stress schon genudelt, lassen wir, die KURIER-Reporter, die nächste Bahn sausen. Und haben Glück: Um 13.40 Uhr bringt uns ein frischer, fast leerer Zug bis zum Hauptbahnhof.

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Grölende Hertha-Fans wollen verhindern, dass BVBler zusteigen: Eine Bierflasche verfehlt einen Dortmunder, zerplatzt auf dem Bahnsteig. Weil keine U-Bahnen fahren, kann die Polizei die Fans nicht getrennt anreisen lassen. Max (18) aus Pasewalk: „Die Streikenden wollten wohl möglichst viele Leute nerven.“

Die Weiterfahrt ans Ziel ist schnell beschrieben: 25 Minuten ohne Atemluft. Letzte Fahrgäste dürfen am Westkreuz zusteigen, aber nicht mehr alle. Erlösung um 14.45 Uhr: Die Massen wälzen sich zu Fuß zum Stadion.

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