So etwas hat Ronny bei Hertha BSC noch nie erlebt. Der 26-Jährige strahlte beim Auslaufen mit der Sonne um die Wette. Am Vortag war es sein Spiel: Nur ganze 30 Minuten stand er auf dem Platz und trat dennoch aus dem Schatten seines älteren Bruders Raffael (zu Dynamo Kiew gewechselt). Ein Hammerschuss zum 1:1 gegen Paderborn und das 2:2 mit einem Freistoßknaller vorbereitet. Für Ronny konnte die Saison nicht besser beginnen.
Der Brasilianer läuft mit Adrian Ramos und Sandro Wagner seine Runden über den Schenckendorffplatz. Seine Schritte sehen federleicht aus, getragen von unendlicher Zufriedenheit. Als Ronny seine Jogging-Einheit beendet, geht er mit einem breiten Lachen zur Kabine. Sein ganzes Glücksgefühl kommt aus ihm noch mal heraus.
Ein Haken nach rechts und dann ein Hammerschuss ins blau-weiße Glück, Ausgleich zum 1:1! Ronny zeigte beim 2:2 gegen Paderborn sein ganzes Können und jubelte.
Foto: City-Press
„Nur 2:2, trotzdem ist der Abend gut gelaufen. Ich bin einfach nur froh,“ sagt er. Gut ist untertrieben, das war einfach nur hervorragend, wie Ronny aufdrehte.
In der 60. Minute eingewechselt, legte er vier Minuten später einen Capoeira-Tanz im Zweikampf gegen Paderborns Diego Demme hin. Mit dem linken Fuß zog er sich den Ball auf rechts, schlug einen Haken und drosch aus 18 Metern drauf – flach, hart und sehr präzise! Der Ball rauschte ins rechte Toreck zum 1:1!
Alleine diese paar Sekunden zeigten, was wirklich in Ronny steckt. Es folgten Zuckerpässe und der Freistoß-Hammer in der 88. Minute, den SC-Keeper Lukas Kruse nur abklatschen konnte. Kinderspiel für Allagui, der mit einem Abstauber den Punkt beim 2:2 rettete.
Was für eine Wandlung! Zwei Jahre war er nur eine Randfigur im Team. Sein ein Jahr älterer Bruder Raffael war der unumstrittene Superstar, der immer spielte, während Ronny oft nur auf der Tribüne oder der Ersatzbank Platz nahm. Jetzt ist Raffa weg und Ronny wird plötzlich gut. Schon vor knapp fünf Wochen kündigte er im KURIER an: „Mein erstes Ziel ist es, unter die ersten elf Spieler zu kommen. Aber ich weiß, es liegt jetzt an mir. Ich werde dafür alles tun.“
Noch ist er nicht in der Startelf, aber es könnte schon bald so weit sein. Er war noch nie so schlank, so fit. Und mit Jos Luhukay hat er einen Trainer, der endlich auf ihn eingeht. Ronny: „Der Coach spricht viel mit uns.“
Luhukay sieht genau die Stärken des Supertechnikers mit dem strammen Schuss. „Ich weiß, dass Ronny hier schon auf dem linken Flügel oder in der Außenverteidigung gespielt hat. Aber er fühlt sich viel wohler, wenn er zentral spielt.“ Das haben alle gegen Paderborn gesehen.
Was sagt sein Bruder im fernen Kiew? Ronny: „Er hat mir eine SMS nach dem Spiel geschickt und mir gratuliert. Er hat sich riesig gefreut für mich.“ Hoffentlich passiert das noch oft. W. H./S. F.
Nach dem Ellbogen-Check von Paderborns Bertels konnte Daniel Beichler (23) wegen starker Kopfschmerzen nur Rad fahren. Noch am Spielfeldrand wurde der Ösi mit fünf Stichen genäht. Auch Fabian Lustenberger (24) stieg wegen einer leichten Dehnung im rechten Sprunggelenk nur auf den Drahtesel.

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