Otto Rehhagel wird am Sonntag als neuer Hertha-Trainer vorgestellt. Es gab riesigen Andrang – Rehhagel gibt sich kämpferisch.
Otto Rehhagel ist da! Seit Sonntag hat der Trainer-Methusalem das Zepter bei Hertha übernommen. Die Hoffnungen ruhen auf ihm, dass der Klassenerhalt geschafft wird. Zwölf Spiele sitzt das Denkmal bei den Blau-Weißen auf der Bank – bis zum 5. Mai beim letzten Heimspiel gegen Hoffenheim. Der 73-Jährige ist ab jetzt der allwissende Hertha-König – für ganze 77 Tage. Sonntag begann Tag 1 der Otto-Regentschaft in Berlin.
Um 10.55 Uhr flog Rehhagel aus Düsseldorf kommend in Tegel ein. Manager Michael Preetz holte ihn persönlich ab. Zusammen fuhren die beiden mit Preetz’ Audi Q7 – nicht mit Otto-Motor, sondern Diesel-Antrieb – auf das Hertha-Gelände. Um 13.10 Uhr betrat Rehhagel nach über zwölf Jahren Abstinenz wieder die Bundesliga-Bühne. Im Presseraum schlug auf Rehhagel ein Blitzlicht-Gewitter der Fotografen ein. Er ertrug es geduldig mit Altersmilde.
„Geld schießt keine Tore.“
„Die Entscheidungen, die ich treffe, sind immer richtig.“
„Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.“
„Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“
„Ich bin mit Fußball geboren und ich will mit Fußball sterben. So lange ich ein Angebot bekomme, arbeite ich.“
„Mal gewinnt man und mal gewinnen die anderen.“
„Jeder kann sagen, was ich will.“
„Druck gibt es im Fußball immer, das ist so alt wie der Fußball selbst.“
„Mein Idealspieler existiert nicht, Perfektion gibt es nur im Computer.“
„Mit Sprüchen wurde noch nie ein Spiel gewonnen.“
„Ich kann überall arbeiten. Die Plätze sind überall gleich lang und gleich breit.“
„Frauen: das beste Trainingslager.“
„Ich habe mehr gewonnen als verloren.“
„Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“
„Wer Erster ist, hat immer Recht. Ich habe also Recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“
Bremens Trainer Thomas Schaaf: „Wir wissen, was Otto verkörpert. Ich glaube, er ist ein absoluter Fachmann. Ich habe da keine Bedenken.“
Augsburgs Manager Andreas Rettig: „Schön, dass so ein verdienter Mann zurück auf der Bühne ist. Rehhagel hat ein sehr schweres erstes Spiel - bei uns in Augsburg!“
Herthas Pierre-Michel Lasogga: „Da können wir uns echt geehrt fühlen, dass wir mit so einer Trainergröße zusammenarbeiten dürfen.“
Ex-Profi Jan-Aage Fjörtoft: „Das größte Comeback seit Elvis 1968."
Herthas Peter Niemeyer: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Otto Rehhagel. Mehr Erfahrung bei einem Trainer geht nicht."
Herthas Christoph Janker: „Ich hoffe, dass uns Rehhagel wieder auf die richtige Spur bringt."
Nürnbergs Trainer Dieter Hecking: „Auf mich macht Rehhagel den Eindruck, dass er heiß auf die Aufgabe ist. Ich glaube, dass es kein schlechter Schachzug von Hertha ist.“
Hoffenheims Trainer und Herthas Ex-Coach Markus Babbel: „Das ist grandios. Ich halte Rehhagel für einen fantastischen Trainer. Ich habe das große Vergnügen gehabt, unter ihm trainieren zu dürfen. Ich freue mich darauf, ihn bald zu sehen.“
Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz: „Ich hatte Rehhagel ein Jahr in München als Trainer. In dieser Saison wurde der FC Hollywood geboren. Von daher kann man das sehen, wie man will.“
Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: „Otto Rehhagel ist ein außergewöhnlicher Kollege. Ich freue mich auf seinen Wortwitz und seine Qualität als Trainer. Das wird, glaube ich, eine gute Geschichte in Berlin."
Seine Stimme ist in den vergangenen Jahren langsamer, leiser geworden, doch seine weisen Worte sind dafür umso mächtiger. Mit seinem ersten Satz wischt er mit alle Zweifel wegen seines hohen Alters: „Ein Leben ist viel zu kurz. Solange ich lebe, will ich Spannung haben. Ich fühle mich gesund und fit. Ich freue mich auf die Aufgabe. Es wird eine spannende Zeit. Druck? Habe ich nicht! Was ich erreicht habe, kann mir keiner nehmen.“
Dabei strahlt er Ruhe aus. Ruhe, die dieser Verein nach dem Trainer-Theater mit den gefeuerten Markus Babbel und Michael Skibbe dringend nötig hat. Rehhagel liebt das echte Theater, sein Freund ist Regisseur Jürgen Flimm von der Berliner Staatsoper. „Seine Schauspieler wären froh, wenn sie mal vor 70 000 Leuten auftreten könnten. Sie würden über sich hinauswachsen. Das müssen jetzt auch die Spieler“, erklärt er.
Rehhagel ist bestens informiert über den Zustand des Teams und sagt knallhart: „Die Mannschaft ist in Schwierigkeiten. Ich will helfen, dass sie da rauskommt.“
In diesem Moment ist er in seinem Element: „Ich kann keine Tore schießen, dass müssen die Spieler. Sie sind die Protagonisten, auf die es ankommt. Das müssen alle begreifen.“
Die Spieler können sich auf eine verständnisvolle, aber harte Drei-Monats-Regentschaft einstellen. Rehhagel drückt es so aus: „Es gibt ab jetzt nur das Ziel Klassenerhalt, alles andere muss zurückstehen. Wer das nicht so will, soll es mir vorher sagen.“
Die Profis sind gewarnt: Trotz seines hohen Alters wird dieser Mann sich in seinen 77 Tagen nicht auf der Nase rumtanzen lassen, das wäre Majestätsbeleidigung. Wer nicht spurt, fliegt raus!

Stellen Sie sich vor, Hertha wiederholt ein Relegationsspiel und fast keiner ist da. Mehr...

| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Borussia Dortmund | 80:25 | 81 | ||
| 2 | Bayern München | 77:22 | 73 | ||
| 3 | FC Schalke 04 | 74:44 | 64 | ||
| 4 | B. Mönchengladbach | 49:24 | 60 | ||
| 5 | Bayer Leverkusen | 52:44 | 54 | ||
| 6 | VfB Stuttgart | 63:46 | 53 | ||
| 7 | Hannover 96 | 41:45 | 48 | ||
| 8 | VfL Wolfsburg | 47:60 | 44 | ||
| 9 | Werder Bremen | 49:58 | 42 | ||
| 10 | 1. FC Nürnberg | 38:49 | 42 | ||
| 11 | 1899 Hoffenheim | 41:47 | 41 | ||
| 12 | SC Freiburg | 45:61 | 40 | ||
| 13 | 1. FSV Mainz 05 | 47:51 | 39 | ||
| 14 | FC Augsburg | 36:49 | 38 | ||
| 15 | Hamburger SV | 35:57 | 36 | ||
| 16 | Hertha BSC Berlin | 38:64 | 31 | ||
| 17 | 1. FC Köln | 39:75 | 30 | ||
| 18 | 1. FC Kaiserslautern | 24:54 | 23 | ||