Für viele war Hertha wegen der Trainerentlassungen von Markus Babbel und Michael Skibbe schon die Lachnummer der Bundesliga. Jetzt gibt es ein ungläubiges Staunen: Trainer-Legende Otto Rehhagel (73) übernimmt bis Saisonende den Krisen-Klub – als blau-weißer Freund. Wird er auch der Retter? Bei Klassenerhalt soll im Sommer Ralf Rangnick übernehmen. So ist der Plan bei den Hertha-Bossen. Doch wie schafften sie es, Rehhagel an die Spree zu holen?
Mitte der Woche rief Manager Michael Preetz bei Otto Rehhagel an und fragte zum ersten Mal vorsichtig an, ob er Mann im Un-Ruhestand noch mal in der Bundesliga auf der Bank sitzen will. Preetz brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. Rehhagel gab zuverstehen, dass er sich dass vorstellen könne, dass er heiß sei. Er lud Preetz und Präsident Werner Gegenbauer zu sich nach Hause nach Essen ein. Donnerstagabend flogen die beiden in den Ruhrpott. Rehhagel empfing sie herzlich und wiederholte sein Interesse noch mal, denn sonst hätte er doch wohl Preetz und Gegenbauer nicht nach Essen fahren lassen.
Rehhagel hat ein ganz großes Herz für Hertha. Er startete als Verteidiger seine Bundesliga-Karriere 1963 bei Hertha und erlebte seinen Aufstieg als eisenharter Abwehrspieler, der stets in der damals neuen Liga gefürchtet war. Das hat er nie vergessen. Er schwärmte bei der Unterhaltung von der damaligen Zeit bei den Blau-Weißen. Immer wieder zog es ihn Jahre später privat nach Berlin.
Auch seine Frau Beate war bei den Verhandlungen dabei und sagte: „Natürlich bin ich einverstanden. Das ist eine wichtige Aufgabe. Hertha muss den Klassenerhalt schaffen.“
Rehhagel brennt nach zwölf Jahren Bundesliga-Abstinenz auf den Job und sagte immer wieder „Wir“! Er ist Feuer und Flamme, trotz seines Alters. So sieht das Otto-Motto aus: „Wir schaffen das. Wir bleiben in der Bundesliga. Wir packen das an!“
„Geld schießt keine Tore.“
„Die Entscheidungen, die ich treffe, sind immer richtig.“
„Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.“
„Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“
„Ich bin mit Fußball geboren und ich will mit Fußball sterben. So lange ich ein Angebot bekomme, arbeite ich.“
„Mal gewinnt man und mal gewinnen die anderen.“
„Jeder kann sagen, was ich will.“
„Druck gibt es im Fußball immer, das ist so alt wie der Fußball selbst.“
„Mein Idealspieler existiert nicht, Perfektion gibt es nur im Computer.“
„Mit Sprüchen wurde noch nie ein Spiel gewonnen.“
„Ich kann überall arbeiten. Die Plätze sind überall gleich lang und gleich breit.“
„Frauen: das beste Trainingslager.“
„Ich habe mehr gewonnen als verloren.“
„Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“
„Wer Erster ist, hat immer Recht. Ich habe also Recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“
So redet ein Retter, der von sich überzeugt ist. Die Interimstrainer Rene Tretschok und Ante Covic werden seine Assistenten. Er wird Lehrmeister für die Spieler und für die jungen Trainer.
„Gebt mir ab und zu zwei Tassen Kaffee, dann arbeite ich 24 Stunden durch für Hertha“, sagt er ganz flockig. Sorgt er für den richtigen Ruck durchs Team? Heute wird er auf der Hertha-Geschäftsstelle offiziell vorgestellt. Das Präsidium stimmte bei einer Enthaltung geschlossen für ihn.
Bremens Trainer Thomas Schaaf: „Wir wissen, was Otto verkörpert. Ich glaube, er ist ein absoluter Fachmann. Ich habe da keine Bedenken.“
Augsburgs Manager Andreas Rettig: „Schön, dass so ein verdienter Mann zurück auf der Bühne ist. Rehhagel hat ein sehr schweres erstes Spiel - bei uns in Augsburg!“
Herthas Pierre-Michel Lasogga: „Da können wir uns echt geehrt fühlen, dass wir mit so einer Trainergröße zusammenarbeiten dürfen.“
Ex-Profi Jan-Aage Fjörtoft: „Das größte Comeback seit Elvis 1968."
Herthas Peter Niemeyer: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Otto Rehhagel. Mehr Erfahrung bei einem Trainer geht nicht."
Herthas Christoph Janker: „Ich hoffe, dass uns Rehhagel wieder auf die richtige Spur bringt."
Nürnbergs Trainer Dieter Hecking: „Auf mich macht Rehhagel den Eindruck, dass er heiß auf die Aufgabe ist. Ich glaube, dass es kein schlechter Schachzug von Hertha ist.“
Hoffenheims Trainer und Herthas Ex-Coach Markus Babbel: „Das ist grandios. Ich halte Rehhagel für einen fantastischen Trainer. Ich habe das große Vergnügen gehabt, unter ihm trainieren zu dürfen. Ich freue mich darauf, ihn bald zu sehen.“
Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz: „Ich hatte Rehhagel ein Jahr in München als Trainer. In dieser Saison wurde der FC Hollywood geboren. Von daher kann man das sehen, wie man will.“
Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: „Otto Rehhagel ist ein außergewöhnlicher Kollege. Ich freue mich auf seinen Wortwitz und seine Qualität als Trainer. Das wird, glaube ich, eine gute Geschichte in Berlin."
Denn alle sind überzeugt, dass Rehhagel die richtige Wahl ist. Seine Aura, seine Erfahrung und seine Erfolge sind Argumente genug. Die überraschendsten Titel waren die Meisterschale 1998 mit Aufsteiger Kaiserslautern und der EM-Titel mit Griechenland 2004. Ja, diesem Mann ist wirklich die Rettung des Krisen-Klubs zuzutrauen. Für ihn wäre es der krönende Abschluss seiner Karriere. Angefangen bei Hertha, aufgehört bei Hertha. Als Retter. Dann kann er das Team beruhigt seinem Nachfolger übergeben. Top-Kandidat ist Ralf Rangnick, der schon signalisierte, dass er nach seinem überstanden Burn-out im Sommer wieder arbeiten will.
Otto Rehhagel
Geburtsdatum: 9. August 1938 in Essen
Stationen als Trainer:
1972 - 1973: 1. FC Saarbrücken
Stationen als Trainer:
1974 - 1975: Offenbacher Kickers
Stationen als Trainer:
1976: Werder Bremen
Stationen als Trainer:
1976 - 1978: Borussia Dortmund
Stationen als Trainer:
1978 - 1979: Arminia Bielefeld
Stationen als Trainer:
1979 - 1980: Fortuna Düsseldorf
Stationen als Trainer:
1981 - 1995: Werder Bremen
Stationen als Trainer:
1995 - 1996: FC Bayern München
Stationen als Trainer:
1996 - 2000: 1. FC Kaiserslautern
Stationen als Trainer:
2002 - 2010: Nationalmannschaft Griechenland
Größte Erfolge:
Europameister 2004 mit Griechenland
Größte Erfolge:
Zweimal deutscher Meister mit Werder Bremen (1988 und 1993), deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern (1998)
Größte Erfolge:
Titelgewinn im Europapokal der Pokalsieger mit Werder Bremen (1992)
Größte Erfolge:
Zweimal DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen (1991 und 1994), einmal DFB-Pokalsieger mit Fortuna Düsseldorf (1980)
Rekorde:
Die meisten Bundesliga-Spiele als Trainer: 820
Rekorde:
Die meisten Bundesliga-Punkte als Trainer: 1370

Stellen Sie sich vor, Hertha wiederholt ein Relegationsspiel und fast keiner ist da. Mehr...

| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Borussia Dortmund | 80:25 | 81 | ||
| 2 | Bayern München | 77:22 | 73 | ||
| 3 | FC Schalke 04 | 74:44 | 64 | ||
| 4 | B. Mönchengladbach | 49:24 | 60 | ||
| 5 | Bayer Leverkusen | 52:44 | 54 | ||
| 6 | VfB Stuttgart | 63:46 | 53 | ||
| 7 | Hannover 96 | 41:45 | 48 | ||
| 8 | VfL Wolfsburg | 47:60 | 44 | ||
| 9 | Werder Bremen | 49:58 | 42 | ||
| 10 | 1. FC Nürnberg | 38:49 | 42 | ||
| 11 | 1899 Hoffenheim | 41:47 | 41 | ||
| 12 | SC Freiburg | 45:61 | 40 | ||
| 13 | 1. FSV Mainz 05 | 47:51 | 39 | ||
| 14 | FC Augsburg | 36:49 | 38 | ||
| 15 | Hamburger SV | 35:57 | 36 | ||
| 16 | Hertha BSC Berlin | 38:64 | 31 | ||
| 17 | 1. FC Köln | 39:75 | 30 | ||
| 18 | 1. FC Kaiserslautern | 24:54 | 23 | ||