Das ist die dickste Überraschung vor Herthas Auswärtsspiel Sonntag (15.30 Uhr) beim FSV Frankfurt. Fast alle rechneten mit dem Saison-Debüt von Änis Ben-Hatira (gegen Paderborn Gelb-Rot-Sperre abgesessen), schließlich bekam er die Trikotnummer 10, die Zahl des Spielmachers. Denkste! Trainer Jos Luhukay sprach gestern ein Machtwort: „Ronny wird zentral im Mittelfeld spielen!“
Als der Trainer auf dem Pressepodium sitzt, bleibt er völlig locker, als er diesen Satz sagt. Für den Holländer ist es quasi eine Selbstverständlichkeit, dass der Bruder von Ex-Spielmacher Raffel auch seine Nachfolge antritt. „Ronny hat gegen Paderborn bewiesen, dass er es kann. Er hat diese Chance verdient.“
Der 26-Jährige wurde beim 2:2-Saisonauftakt gegen die Ostwestfalen in der 60. Minute für Peer Kluge, der zunächst Spielmacher war, eingewechselt. Vier Minuten später traf der Brasilianer zum 1:1, dann bereitete er auch das 2:2 (88.) mit einem Freistoß vor. Torschütze Sami Allagui musste nur abstauben. Das Experiment mit Kluge hat sich von selbst erledigt. Denn der Neuzugang von Schalke 04 ist am Sprunggelenk verletzt. Luhukay: „Peer wird definitiv nicht in Frankfurt spielen können.“
Dafür also jetzt Ronny in der Startelf. Der Coach nutzt die Gunst der Stunde. Der kleine Bruder von Raffa ist in Topform – und er ist endlich mal topfit, kein Gramm Übergewicht. Schon zum Rückrundenstart der vergangenen Saison, sollte Ronny den damals gesperrten Raffael ersetzen. Ging daneben: Beim 0:2 in Nürnberg war von Ronny nichts zu sehen, danach saß er wieder nur auf der Bank.
Jetzt also die zweite große Chance für Ronny, der seit zwei Jahren bei Hertha ist. Es wird sein wichtigstes Spiel für die Blau-Weißen. Glänzt er wieder – und nicht nur als Joker – könnte er der neue Mittelfeldboss werden. Wenn nicht, wird Ben-Hatira Dampf machen.
Vielleicht schon in Frankfurt. Die spannende Frage bleibt: Wie viel Puste hat Ronny? Reicht es für 90 Minuten oder wird er nach einer Stunde ausgewechselt und Ben-Hatira kommt als Joker. Vorteil: Luhukay heizt den Konkurrenzkampf mit dieser Entscheidung an.
... die Nummer 10: Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe diese Nummer meine ganze Jugend getragen und habe sie auch in der tunesischen Nationalmannschaft. Aber die Nummer 10 für Hertha zu tragen, ist eine große Ehre. Marcelinho war immer mein Lieblingsspieler. Mit seiner Nummer im Olympiastadion zu spielen, gibt einem ein ganz anderes Gefühl.

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