Hertha BSC
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Mittwoch, 1. August 2012

Herthas Hoffnung: Jos we can!


Der Niederländer Jos Luhukay hat mit Hertha BSC nur ein Ziel vor Augen: Sofortiger Wiederaufstieg in die Bundesliga.
Der Niederländer Jos Luhukay hat mit Hertha BSC nur ein Ziel vor Augen: Sofortiger Wiederaufstieg in die Bundesliga.
Foto: dapd

Mit dem Kampfschrei „Yes we can!“ wurde Barack Obama 2009 US-Präsident und trotz aller Probleme und Widerstände steht er kurz vor der Wiederwahl. Bei Hertha gab es in der Obama-Ära viel Tumult und Hoffnungsträger. Lucien Favre, Karsten Heine, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Rainer Widmayer, Michael Skibbe, René Tretschok, Otto Rehhagel und jetzt Jos Luhukay. Der ganze Verein sehnt sich nach Erfolg und Stabilität und hofft, dass es ganz lange heißt: „Jos we can!“

Wer Hertha-Manager Michael Preetz nach seinem wichtigsten Transfer in diesem Sommer fragt, bekommt keinen Spieler genannt. Keinen Angreifer, der die Blau-Weißen wieder in die Bundesliga schießen soll. Kein Abräumer, der hinten den Laden dichtmacht. „Königstransfer? Das ist ohne Frage Jos Luhukay“, sagt Preetz ohne zu Zögern. Nichts wünscht sich der Manager lieber, als eine lange Zusammenarbeit mit dem Trainer, der ein klares Spielsystem mitbringt und junge Spieler entwickeln kann.

Trainingsspiel bei Hertha. Die Spieler sind voll dabei, wollen sich zeigen, kämpfen um ihren Platz im Team. Dabei geht es knallhart zur Sache. Und mittendrin Jos Luhukay. Der Trainer läuft im Getümmel mit, hat keine Angst, selbst unter die Hufe zu kommen. Denn so kann er sofort zeigen, wie sich die Mannschaft bewegen soll. Von außen hat der Coach nur den Feldherrenblick. Luhukay will aber aus der Spielerperspektive sehen, welche Räume sich auftun.

Am 3. September, dem Tag des Derbys gegen den 1. FC Union, ist Jos Luhukay genau 65 Tage im Amt. Der regierende Trainer von Berlin ist klar der eiserne Chef-Coach Uwe Neuhaus, der dann exakt 1903 Tage das Zepter schwingt. Natürlich geht es nur um drei Punkte. Und doch um soviel mehr! Luhukay spürt das, lebt das. Auf der Mitgliederversammlung, als er das erste Mal vor den Hertha-Fans auftrat, schwor er die Anhänger auf den gemeinsamen Weg ein, bat sie um Unterstützung für das Team. Lachend reagierte er auf Zwischenrufe zum Derby. Es war das Lachen eines Kämpfers. Die Stadtmeisterschaft zurückzuerobern? „Als Fußballer weiß ich, was das für die Fans bedeutet!“

Druck. Anspannung. Nervosität. Jos Luhukay ist nichts davon anzumerken, dass Hertha nur das Ziel Aufstieg kennt. Der Niederländer ist die Ruhe selbst, kümmert sich in um jedes noch so winzige Detail. Er will jede mögliche Fehlerquelle vorher ausmerzen. Und wenn er nur den Nachtisch im Trainingslager zurückgehen lässt, weil er nicht zur sportlergerechten Ernährung passt. Luhukay ist Perfektionist, aber trotzdem kein Kontroll-Freak.

Eine Facebook-Nachricht aus Brasilien, geschickt von Unions Torjäger-Legende Daniel Teixeira, erreicht einen KURIER-Redakteur: „Hallo Hertha-Fan, Jos als Trainer ist ein wirklich guter Griff. Er ist einer der besten in Deutschland. Wenn er in Ruhe arbeiten kann, wird Hertha viel Freude an ihm haben!“ Der eiserne Stürmer muss es wissen. Texas trainierte 2000/01 unter Luhukay bei Uerdingen und erzielte in 16 Spielen sagenhafte 14 Tore. Danach schoss er Union zum Zweitliga-Aufstieg.

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Wenn etwas in einem Spiel nicht klappt, brüllt Luhukay nicht los. Stattdessen versammelt er die Profis wie Schachfiguren auf dem Platz und zeigt ihnen ganz hautnah zum x-ten Mal die richtigen Lauf- und Passwege. Wie ein Großmeister führt er die Fußballer als Spielfiguren über den Rasen. Vielleicht wird das morgen gegen Paderborn noch nicht alles funktionieren. Aber bald ...

Er war das i-Tüpfelchen auf meiner Entscheidung, bei Hertha zu bleiben“, macht Kapitän Peter Niemeyer Luhukays Bedeutung klar. „Er ist genau das, was wir jetzt brauchen. Eine akribisch arbeitende Führung, die von der ersten bis zur letzten Sekunde einen Plan verfolgt.“

Der Niederländer sagt bestimmt: „Hertha ist ein Erstliga-Klub.“ Doch man muss Luhukay genau zuhören. Er redet nicht davon, dass Hertha jeden Gegner in Grund und Boden ballert. Es wird am Anfang holpern, weil das Team noch nicht auf einem einheitlichen Fitness-Stand ist. Zudem hat er Respekt vor jedem Gegner: „Aber ich will mit Hertha unseren eigenen offensiven Stil abrufen. Wir wollen begeistern!“

Jetzt gilt es. Jetzt kommen die Stunden der Wahrheit. Natürlich muss Luhukay mit der Hauptstadt-Ruppigkeit klarkommen. Gerade, wenn es mal nicht so läuft bei seiner Hertha. Doch der KURIER glaubt an ihn. Auf geht’s! Aufwärts geht’s! Jos we can!

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