Verloren hing Thomas Kraft nach dem Abpfiff in seinem Tornetz. Das Bild sprach Bände. So nah, so verdammt nah, war Hertha BSC gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund dran am ersten Punktgewinn des Jahres. Und doch fehlte beim 0:1 (0:0) wieder das Quäntchen Glück. Es war so deprimierend.
Ersatzkeeper Maikel Aerts und Torwarttrainer Christian Fiedler eilten zur Nr. 1 auf den Platz. Aufmunternde Worte für einen, der absolut keine Aktie hatte an der Pleite. Im Gegenteil. Fast hätte Kraft seine Kollegen zum zweiten Mal am Nachmittag vorm sicheren Rückstand gerettet. Schon in der 45. Minute glänzte der Keeper gegen Lukasz Piszczek.
Dann, Sekunden vorm 0:1, diese spektakuläre Parade gegen die Kopfball-Granate von Robert Lewandowski. Der Ball sprang an die Latte. Von da auf den Schlappen von Kevin Großkreuz. Und der zirkelte ihn per Fallrückzieher ins Hertha-Tor (66.). „Eine Weltklasse-Aktion“, erkannte der blau-weiße Interimscoach Rene Tretschok neidlos an. Ein Tor, eine Gäste-Führung nach dem Motto: Erst hatte Hertha kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.
Immerhin hatten es die Blau-Weißen geschafft, dass sich 74 244 Zuschauer verwundert die Augen rieben. Ja, es sah nach Bundesligafußball aus. Nach richtig ansehnlichem sogar. Mit zwei nahezu gleichwertigen Mannschaften. Dass eine davon in der Tabelle ganz oben und eine dummerweise ziemlich weit unten mitmischt, war kaum zu erkennen.
Chancen hüben wie drüben machten das Spiel spannend. Lucas Barrios hätte seinen BVB in Führung schießen können (31.). Herthas Raffael die Blau-Weißen aber noch leichter, als Mats Hummels ihm im schwarz-gelben Strafraum den Ball in die Füße spielte (36.). „Wir hatten die besseren Chancen“, meinte ein völlig enttäuschte Kapitän Andre Mijatovic nach dem Schlusspfiff. In der Tat: Pattrick Ebert (50., 53.) schoss vorbei, Raffael (75.) verstolperte. In diesen Momenten hört jeder Hertha-Fan das fiese Lachen des Abstiegsgespenstes.
Klar, dass Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp nach dem Sieg einigermaßen erleichtert war, dass seine Jungs sich nicht zum zweiten Mal in dieser Saison Haue vom Aufsteiger geholt haben (Hinspiel: 2:1). „Puh! Das war ein verdammt hartes Stück Arbeit“, meinte er. „Die Herthaner haben gezeigt, dass sie allemal das Potenzial haben, die Klasse zu halten. Und mit der Ruhe und Erfahrung von Otto Rehagel sind sie jetzt bestens gerüstet.“
Und das bleibt das positive Fazit aus der sechsten Pleite in Folge: Das 0:1 macht Hoffnung darauf, dass Dortmund auch im nächsten Jahr zum Ligavergleich ins Olympiastadion kommen darf.

Stellen Sie sich vor, Hertha wiederholt ein Relegationsspiel und fast keiner ist da. Mehr...

| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Borussia Dortmund | 80:25 | 81 | ||
| 2 | Bayern München | 77:22 | 73 | ||
| 3 | FC Schalke 04 | 74:44 | 64 | ||
| 4 | B. Mönchengladbach | 49:24 | 60 | ||
| 5 | Bayer Leverkusen | 52:44 | 54 | ||
| 6 | VfB Stuttgart | 63:46 | 53 | ||
| 7 | Hannover 96 | 41:45 | 48 | ||
| 8 | VfL Wolfsburg | 47:60 | 44 | ||
| 9 | Werder Bremen | 49:58 | 42 | ||
| 10 | 1. FC Nürnberg | 38:49 | 42 | ||
| 11 | 1899 Hoffenheim | 41:47 | 41 | ||
| 12 | SC Freiburg | 45:61 | 40 | ||
| 13 | 1. FSV Mainz 05 | 47:51 | 39 | ||
| 14 | FC Augsburg | 36:49 | 38 | ||
| 15 | Hamburger SV | 35:57 | 36 | ||
| 16 | Hertha BSC Berlin | 38:64 | 31 | ||
| 17 | 1. FC Köln | 39:75 | 30 | ||
| 18 | 1. FC Kaiserslautern | 24:54 | 23 | ||