Geackert und geschuftet hat das Hertha-Team im österreichischen Trainingslager. So gut, dass Coach Jos Luhukay vor dem Zweitligastart am nächsten Freitag gegen Paderborn ein großes Problem hat. Wie verkleinert er die Mannschaft, die mit 31 Spielern nach Stegersbach gereist ist?
„Darüber mache ich mir am Sonntag Gedanken. In aller Ruhe, wenn das Team seinen freien Tag hat“, antwortet der Trainer ruhig. Die Sonne strahlt auf die Terrasse des Teamhotels. Mit jedem Wort ist spürbar, wie zufrieden der Niederländer mit seiner Mannschaft ist. So zufrieden, dass er sich die Möglichkeit offenlässt, den Kader fast unverändert zu lassen.
Aber Luhukay macht eines ganz deutlich: „Vor dem ersten Meisterschaftsspiel gegen Paderborn werden wir sportliche Entscheidungen treffen. Von unserer Seite oder vonseiten der Spieler.“ Damit spielt er auf die Situation von Stürmer Marco Djuricin an, der keine Chance sieht, sich gegen die neuen Stürmer durchzusetzen und einen Wechsel zu Austria Wien anstrebt.
Der Holländer legt unglaublich viel Wert auf Teamgeist und ist sehr zufrieden, wie die Mannschaft zusammengefunden hat. Vom Frust des Abstieges keine Spur mehr. „Deshalb musste ich nicht so viele Brände im zwischenmenschlichen Bereich löschen, sondern konnte vom ersten Tag an mein Herz und meine Seele in die fußballerische Arbeit legen“, so Luhukay sehr zufrieden.
Richtig herausheben will der Coach aber keinen Spieler. Auch nicht den Knipser Elia Kachunga (20). Es zählt die ganze Mannschaft. Immer. An allen 34 Spieltagen. „Ich bin nicht der Trainer, der einen hochjubelt oder schlecht darstellt“, macht er deutlich. Gerne erzählt der Niederländer aber von Entwicklungen, wenn Spieler einen Sprung gemacht haben. So wie von John Anthony Brooks (19), der sich still und heimlich in die Innenverteidigung gespielt hat.
„Klar denke ich über ihn nach. Er hat eine richtig gute Vorbereitung gemacht“, lobt der Trainer. Da ist er wieder, der Talenteförderer Jos Luhukay, den Hertha-Manager Michael Preetz nicht ohne Stolz als wichtigsten Transfer in diesem Sommer bezeichnet.
Bei allem Blick für Talente, verliert der Coach aber das Ziel Aufstieg nicht aus dem Blick: „Wir wollen mit attraktivem und offensivem Fußball den Aufstieg feiern. Weil wir eigentlich ein Erstligaklub sind. Dafür müssen wir das ganze Jahr hart und fleißig arbeiten.“ Die Botschaft ist bei jedem in der Mannschaft angekommen. Deswegen ist Luhukay am Ende auch froh, dass ihm das Team morgen das Nachdenken über den Mannschaftskader für die Saison richtig schwer macht.

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