Muss ich jetzt sterben? Diese Frage hämmerte in ihrem Kopf. Wie durch Watte hatte sie die Worte der Frauenärztin vernommen. „Sie haben aggressiven Brustkrebs.“ Was dann begann, war das Schlimmste, was sie bisher erlebt hatte.
„Mit einer Routineuntersuchung fing alles an“, erzählt Marion Elsner (54). Die blonde Versicherungsfachfrau aus Pankow war vor zwei Jahren wie alle Berlinerinnen über 50 Jahre zum Mammografie-Screening eingeladen worden. „Die Arzthelferin, die vor der Untersuchung noch so nett mit mir gescherzt hatte, war hinterher so komisch“, erinnert sie sich. Als sie wenige Tage später zur „Abklärung eines Befundes“ erneut hin muss, schwante ihr nichts Gutes.
Eine Gewebeprobe aus der linken Brust hat die bittere Wahrheit ans Licht gebracht. „Ich verstand außer Krebs und nach der OP fahren Sie erst einmal schön zur Kur kein Wort.“ In Gesprächen mit anderen Krebsbetroffenen erfährt sie später, dass viele Frauen von Ärzten vor den Kopf gestoßen werden. Es fehlt an Verständnis und Einfühlungsvermögen.
Marion Elsner wurde im Brustzentrum des Helios Klinikum Buch operiert. Die Familie und Freunde brachten ihr Berichte über Therapien ans Bett. „Teilweise widersprachen sich die Informationen“, erinnert sie sich. Einmal hieß es, Krebskranke sollen viele Himbeeren essen, andere Experten lehnten dagegen Krebsdiäten ab. Noch schlimmer waren Recherchen im Internet. „Was da alles für Unsinn erzählt wird ist unglaublich.“
Inzwischen hatte die Mutter zweier Töchter nach der Operation die Bestrahlungstherapie überstanden, die unheimlich an ihren Kräften zehrte. Statt Chemo raten ihr Ärzte anschließend zu einer Hormonersatztherapie. Sie soll verhindern, dass Zellen erneut bösartig entarten. „Wieder hatte ich tausend Fragen, auf die ich keine Antworten fand. Es gibt zwar Infohefte der Deutschen Krebsgesellschaft, aber dort steht eben auch nicht alles drin.“
Zuerst ist es nur so eine vage Idee, doch bald steht ihr Entschluss fest. Marion Elsner schreibt ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Recherchen für andere Betroffene auf. Ihr Buch liegt heute in Berliner Mammografiezentren und Arztpraxen aus. „Es gibt ein Leben nach dem Krebs, und ich genieße es erst jetzt so richtig“, sagt sie fröhlich der Reporterin vom KURIER .
BACH

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