Zehn Jahre zahlen wir nun schon mit dem Euro – aber wie lange noch? Die Gemeinschaftswährung der 17 Staaten der Euro-Zone steckt in einer tiefen Krise. Viele Experten sagen das Ende voraus. Auch der Hamburger Wirtschafts-Experte Dirk Meyer, Volkswirtschaft-Professor an der Helmut-Schmidt-Universität, ist skeptisch. Er empfiehlt den Deutschen, von sich aus auszutreten.
Für das Ende des Euro gibt es mehrere Modelle. Hans-Olaf Henkel, der frühere Präsident des BDI, schlägt eine Aufspaltung in einen stabilen „Nord-Euro“ und einen abgewerteten, billigeren „Süd-Euro“ vor. Meyer hält grundsätzlich auch eine Rückkehr zur D-Mark für machbar, allerdings aus politischen Gründen für die unwahrscheinlichere Variante. Meyer hat die Sofort-Kosten eines Ausstiegs auf gewaltige 281 bis 326 Milliarden Euro berechnet. „Das erscheint horrend hoch“, räumt er ein. „Doch in drei, vier Jahren hat man diese Summe wieder raus.“
Und so sieht Meyers Szenario für den Euro-Ausstieg aus:
Überraschungsmoment: Der Austritt muss überraschend an einem Wochenende verkündet werden. Die Regierung könne den Montag zum „Tag X“ erklären: Banken und Sparkassen müssten für einen Tag schließen, damit sämtliche Spar- und Girokonten aller Privatpersonen und Firmen erfasst werden.
Scheine markieren: Bereits am Dienstag beginnen alle Banken damit, die im Umlauf befindlichen Banknoten mit einer „fälschungssicheren magnetischen Tinte“ zu markieren. Damit soll sichergestellt werden, dass aus dem Ausland keine dubiosen Beträge nach Deutschland eingeschleust werden. An den Landesgrenzen werden Autos kontrolliert, um Betrüger, die bei der Umstellung abkassieren wollen, zu fassen.
Raus aus dem Euro: Dieser Schritt würde erst nach zwei Monaten erfolgen. Ohnehin müssten die Euro-Verträge im Parlament geändert werden, neue Geldscheine, neue Münzen gedruckt und gepresst werden. Bis die Vorbereitungen abgeschlossen sind, werde ein Jahr vergehen, so Meyer.
Was würde der „Nord-Euro“ oder die Rückkehr zur D-Mark kosten?
„Die reine Bargeldumstellung kostet rund 20 Milliarden, in etwa so viel wie bei der Einführung des Euro“, so der Experte. Die Folgen einer neuen, härteren Währung wiegen ungleich schwerer. Meyer rechnet mit einer Aufwertung von 25 bis 30 Prozent. Im Gegenzug würde das deutsche Vermögen im Ausland – das reicht vom Ferienhaus auf Mallorca bis zum Auslandsbesitz deutscher Firmen – in Höhe von 950 Milliarden Euro um 25 bis 30 Prozent abgewertet – macht 240 bis 285 Milliarden Euro Verlust. Der größte Teil würde Banken und Versicherungen treffen.
Meyer rechnet mit elf Milliarden Euro Kosten für den deutschen Ausstieg aus der EZB, außerdem mit 10 Milliarden Euro, die Deutschland für die bereits ausgegebenen Hilfen an südländische Banken berappen müsste. Macht in der Summe: 281 bis 326 Milliarden Euro.
Das ist aus Sicht des Professors immer noch besser als die fortlaufenden Kosten des Euro. Meyer fürchtet, dass die Ratingagenturen früher oder später Deutschland herabstufen. Bei zwei Billionen Euro Staatsschulden würden 205 Milliarden Euro mehr für jeden Prozentpunkt zusätzliche Zinskosten fällig. Jeder Prozentpunkt verlorenen Wachstums kosten 25 Milliarden Euro. Dazu kommen die gewaltigen Kapitaltransfers über diverse Rettungsschirme, die EZB und den IWF in die Südstaaten. Deshalb geht Meyer von 65 bis 115 Milliarden Euro-Folgekosten für Deutschland aus – jedes Jahr!
Würde die gewaltige Aufwertung durch eine neue harte Währung nicht zum sofortigen Knockout für die deutsche Exportwirtschaft führen? Meyer glaubt das nicht: „Sicher würden Exporte erschwert. Aber schon heute sind in deutschen Autos 60 Prozent Teile aus der heutigen Euro-Zone drin. Die würden dann billiger. Billiger würden auch Rohölimporte, Benzin, Heizöl, Gas, alle elektronischen Produkte aus Asien, viele Rohstoffe – weil man für harte Währung mehr kaufen kann.“
Deshalb lautet Meyers Plädoyer: Besser ein Ende mit Schrecken! „Der Euro war ein teures Experiment, das leider nicht funktioniert hat.“

Gleicher Preis und trotzdem teurer: Scheint auf den ersten Blick unlogisch. Doch genau so funktioniert der neueste Trick von Markenherstellern, um Kunden übers Ohr zu hauen. Mehr...
Gefälschtes Kleingeld bringen Betrüger immer wieder in Umlauf. Besonders häufig imitiert werden nach Angaben der Deutschen Bundesbank Zwei-Euro-Münzen. Mehr...
