Simone Auerwald (49), Ausbilderin aus Friedrichshain: Ich rechne beim Einkaufen schon lange nicht mehr um. Warum sollte ich denn das auch machen? Ich würde mich bloß ärgern, wenn Preise 1:1 umgewandelt würden und alles teurer wäre. Es ändert sich doch nichts. Ich spare mir da lieber meine Energie für andere Dinge auf.
Die gute alte D-Mark: Sie lebt nicht nur in der Erinnerung weiter, sondern in so manchen Sparbüchsen, Schubladen oder im Nachlass von Oma und Opa. 13 Milliarden sind noch immer im Umlauf. Eine gigantische Summe. Die Bundesbank in der Leibnizstraße in Charlottenburg tauscht die alten Münzen und Scheine in Euro um.
Die Kunden ziehen Wartenummern, stehen dann Tag für Tag geduldig im Treppenhaus Schlange. Die meisten haben Stoffbeutel und Tüten dabei - voll mit diversem Kleingeld. Etwa 60 bis 80 Berliner tragen täglich ihre DM-Schätze in die Bank. Nicht mehr ganz so viele wie in den ersten Jahren. Da wollten noch täglich 400 bis 500 Menschen ihre D-Mark umtauschen.
„Als ich das Haus meiner verstorbenen Eltern ausräumte, fand ich in den Schürzen, Mänteln und Handtaschen jede Menge Kleingeld“, erzählt Melitta Mäusnest (li.). Freundin Jutta Wietzke hatte über Jahre DM-Münzen mit dem Aufdruck 1949 gesammelt. Ihre Mühe wurde mit 60 Euro belohnt.
Petra Gercken (57) und Tochter Sandra Lemke (33) aus Tegel kamen mit einem ganzen Sack voller Kleingeld in die Bundesbank. „Er wog mindestens zehn Kilo“, schätzen die Frauen. Petra Gercken hatte Pfennigstücke für ihre Silberhochzeit gesammelt. Der Münzhaufen war 43 Euro wert. „Leider nicht mehr“, ist sie etwas enttäuscht.
„Ich musste bei meinen Eltern mein altes Kinderzimmer ausräumen, erzählt Daniel Bombei. Dabei fand der Student in einer Schublade voller Krempel ganz versteckt eine alte Weihnachtskarte von der Oma. Als er sie aufklappte, fielen ihm 150 Mark entgegen. „Das Geld hatte ich völlig vergessen“, schämt er sich ein bisschen.
Zwei Stunden nach Öffnung haben die vier Kassierer an diesem Vormittag 13.000 Mark durch die Zählmaschine laufen lassen. „Die Beträge schwanken zwischen vier und 5000 Euro“, erklärt der Leiter der Filiale Andreas Klose (52). In diesem Jahr wurden bis Anfang Dezember 8,5 Millionen Mark umgerubelt.
„Wir hatten hier schon Kunden mit Handwagen, Kisten und Rollis voller Geld“, berichtet Klose später. Er kennt Fälle, da hat jemand eine Jeans für fünf Euro auf dem Flohmarkt gekauft und in der Tasche steckten 50 Mark. Oder unter dem Ersatzreifen im Auto lag mehr als zehn Jahre unbemerkt eine volle Brieftasche. Erben haben beim Renovieren hinter den Tapeten in der großelterlichen Wohnung Geldscheine im Wert von mehreren Tausend Mark gefunden.
Der Bankdirektor gehört selbst zu den glücklichen Findern: „Bei uns steckten noch 400 DM im Familien-Stammbuch. Sie waren ein Geschenk von Verwandten.“
Die Bundesbank tauscht das Geld ohne zeitliche Befristung um. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr.
Man wird seine Fundstücke aber auch woanders los. Auf dem Weihnachtsmarkt am Opernpalais heißt es traditionell seit Jahren an allen Fressbuden „Her mit der Mark“. In den ersten Tagen gingen 800 DM über den Tresen. Manche Berliner Kneipenwirte zapfen weiter in der alten Währung, wie im gemütlichen Spandauer Lokal „Zur Altstadt“. Wer noch das eine oder andere Scheinchen besitzt, kann es beim Juwelier Rothholz in der Schönhauser Allee für ein nettes Weihnachtsgeschenk ausgeben. Er freut sich drüber.

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