Der Ex-CDU-Generalsekretär im politischen Un-Ruhestand schreibt jeden Montag im KURIER
Freitag, 3. Februar 2012
Was wirklich wichtig ist

Es gibt genügend Geld, es haben nur die falschen Leute

Von Heiner Geißler

Was brauchen wir im neuen Jahr? Zahlreich und unterschiedlich sind die Wünsche: stabiles Geld, Gesundheit, glaubwürdige Politiker, endlich eine Neuordnung der Finanzmärkte und des Arbeitsmarktes, keine Waschlappenreformen wie bisher bei der Finanzindustrie und bei Hartz IV, Abbau von Leih- und Zeitarbeit, von Minijobs und befristeten Arbeitsverhältnissen. Mit einem Wort: Die Welt braucht mehr Gerechtigkeit.

Der Kirchenlehrer Augustinus sagte: "Was wäre der Staat ohne Gerechtigkeit anderes als eine große Räuberbande: Man kann nicht drum herumreden: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer, auf der ganzen Welt, auch bei uns.

Das hat erst vor ein paar Tagen der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gezeigt. Was sind gerechte Maßstäbe? Leistung und Gegenleistung müssen sich entsprechen, ebenso Ware und Preis, Schaden und Schadenersatz.

Aber wie sieht es aus auf der Welt? In den Armutsvierteln der Welt sterben täglich Kinder, weil Reis und Mais Teil von Spekulationsgeschäften und daher immer teurer geworden sind. Lohndumping ist in Europa die Regel und Schaden muss - siehe Finanzkrise - bekanntlich nicht von den Urhebern, nämlich den Investmentbankern und Spekulanten, ersetzt werden, sondern vom Steuerzahler. Und was ist für unsere Gesellschaft wichtig? Stellen Sie sich vor, alle Investmentbanker, Devisenhändler und Ratingagenten würden verschwinden oder alle Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen, Altenpfleger und Sozialarbeiter. Wen würden wir vermissen?

Die Politik muss erkennen, was wirklich wichtig ist. Es gibt genügend Geld auf der Erde, es haben nur die falschen Leute.

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