Fußball

Montag, 25. Juni 2012

Sie machen süchtig: Breno soll Schlafmittel vom Verein bekommen haben


Bayern-Profi Breno vor dem Münchener Landgericht.
Bayern-Profi Breno vor dem Münchener Landgericht.
Foto: dpa
München –  

Große Sorge um Bayern-Profi Breno: Im Prozess um den wegen schwerer Brandstiftung angeklagten Brasilianer haben Zeugen am Montag die aufgelöste Verfassung des Angeklagten am Tatabend geschildert.

Polizisten beschrieben den 22 Jahre alten Angeklagten vor dem Landgericht München als „verstört“ und hatten den Eindruck, dass er selbstmordgefährdet war.

Brenos Manager sagte aus, der Brasilianer sei „seltsam“ gewesen, habe getrunken und Medikamente genommen. Nach Angaben des Managers hatte der 22 Jahre alte Angeklagte seit dem Mittag Bier, Portwein und Whisky getrunken und auch ein Schlafmittel genommen, das abhängig mache.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fußballprofi vor, im September 2011 in seiner Villa Feuer gelegt zu haben. Verletzt wurde dabei niemand. Breno habe das besagte Medikament regelmäßig eingenommen, sagte der Zeuge. „Ich habe mehr als einmal zumindest von ihm gehört, dass er das Mittel nimmt und dass es vom Verein der Bayern kommt.“ Die Spieler hätten „freien Zugang zu den Medikamenten“ gehabt.

„Diese Aussagen entbehren jeglicher Grundlage. Grundsätzlich gibt es beim FC Bayern keine Schlafmittel“, erklärte allerdings Sportdirektor Christian Nerlinger am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Auch könnten Spieler stets nur auf Anordnung der medizinischen Abteilung Medikamente beim Verein erhalten. „Unsere medizinische Abteilung gehört zu den besten der Welt und hier wird höchst professionell gearbeitet“, betonte Nerlinger.

Breno sei „seltsam geworden“ an dem Abend. „Er ist ein paar Mal weggegangen und wiedergekommen.“ Breno sei mit den Worten „Ich muss Rafinha schützen“ oder „Rafinha wird verfolgt“ immer wieder in Richtung des Hauses seines brasilianischen Spielerkollegen gelaufen. Es habe Momente gegeben, „in denen er neben sich stand“ Einmal sei Breno zum Fenster rausgesprungen.

Am Ende sei er möglicherweise mit einem Messer schnell aus dem Haus gerannt. Der Manager betonte, die Sache mit dem Messer sei aber „vielleicht nur ein Eindruck von mir“ gewesen. Daraufhin habe er Brenos Frau und die drei Kinder in Sicherheit gebracht.

Ein Polizeibeamter sagte vor Gericht, er habe nicht ausgeschlossen, dass Breno „in irgendeiner Form an diesem Brand beteiligt ist“. Daher habe er im Krankenhaus darum gebeten, den Fußballer in ein Einzelzimmer zu legen.

Er habe im Rettungswagen drei Feuerzeuge gesehen, eines davon sei „sehr stark verrußt“ gewesen. Zudem sei der nur mit einer Fußballerhose und Badeschlappen bekleidete Breno „am ganzen Körper verrußt“ gewesen. Er sei äußerlich „sichtlich verletzt“ gewesen. Eine Platzwunde am linken Hinterkopf, ein zerkratzter Spann, Schürfwunden an der linken Hand. Ein Handtuch, mit dem er sich im Krankenhaus gewaschen habe, sei „pechschwarz“ gewesen. Breno habe es der Ärztin gegeben mit den Worten „weg weg“.

Breno habe in der Tatnacht angegeben, seine Frau habe das Feuer gelegt. Der Polizist fügte jedoch hinzu: „Ich habe daraus keinen Vorwurf für die Frau konstruiert.“ Er habe Breno vielmehr für „verwirrt“ und die Beschuldigung seiner Frau für eine „Reaktion aus dem Streit heraus“ gehalten. „Ich dachte mir in diesem Augenblick, er ist nicht ganz dicht.“

Breno habe „signalisiert, dass ihm die Frau egal ist“. Die Eheleute seien am Brandort auch nicht aufeinander zugegangen und hätten keinen Kontakt aufgenommen. Der Polizist sagte: „Er fragte die ganze Nacht nach seinen Kindern. Die schienen ihm heilig.“

Ein weiterer Beamter sagte vor Gericht, der Brasilianer habe in der Nacht „verzweifelt gewirkt“. Die Polizei habe Breno ins Krankenhaus begleitet. „Wir hatten auch Angst vor einem Suizid“, sagte der Polizist. „Er war sehr aufgewühlt, er hat viel geweint.“

Ein Polizist maß am Brandort Brenos Atemalkohol. Der Wert sei für einen Profifußballer dieses Körperbaus „bemerkenswert“ hoch gewesen. Zudem habe Breno normal gehen können. Dies spreche für „eine gewisse Gewöhnung an Alkohol“. Nach Aussagen von Rettungssanitätern war Breno zwar angetrunken, machte aber „nicht den Eindruck, dass er desorientiert wäre“.

Rafinfa: „Breno war sehr betrunken“

Brenos Manschaftskamerad Rafinha hat inzwischen auch seine Erlebnisse in der Tatnacht geschildert. Der mit dem Angeklagten befreundete Spielerkollege sagte am Montag vor dem Landgericht München, Breno sei vor dem brennenden Haus „total verängstigt“ gewesen. „Ich habe ihn umarmt.“

Abends sei Rafinha aufs Oktoberfest gegangen. Dort habe ihn Brenos Frau Renata angerufen: Breno sei betrunken und suche Rafinha. Der 26-Jährige sei mit einem Freund zu Breno gefahren, doch das Haus brannte schon. Breno sei an diesem Tag wegen der bevorstehenden Knieoperation „traurig“ gewesen. Er sei betrunken gewesen, sagte Rafinha. „Er war schon anders geworden.“

Während des Brandes habe er mit „starren Augen“ im Polizeiauto gesessen, „sehr aufgewühlt“. Rafinha habe Breno vorher noch nicht in dem Zustand gesehen wie an diesem Tag. Nach seiner Aussage umarmte Rafinha Breno herzlich zum Abschied. Grundsätzlich habe der 22-Jährige aber „nicht exzessiv“ getrunken. Ob Breno Schlafmittel eingenommen hat, wisse er nicht. „Zu mir hat er darüber nichts gesagt. Nein, davon weiß ich nichts“, sagte Rafinha.

Brenos Manager, der inzwischen nicht mehr für ihn arbeitet, hatte überdies auch von Verhaltensauffälligkeiten berichtet. So habe Breno auf einer Asien-Reise im Rausch „seltsame Töne“ von sich gegeben, „Tierlaute“. Das sei keine Spielerei gewesen. Eher so, dass er „nicht mehr er selbst“ gewesen sei. „Er war besessen, so in dem Sinn.“

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