FIFA-Präsident Joseph S. Blatter gerät in der Schmiergeldaffäre beim Fußball-Weltverband zunehmend ins Abseits. DFB-Chef Wolfgang Niersbach ging „geschockt“ auf Distanz zum 76-Jährigen. Liga-Präsident Reinhard Rauball forderte ihn gar zum Rücktritt auf. Doch nun holt Blatter zum verbalen Gegenschlag aus.
In einem Interview mit der Schweizer Zeitung „SonntagsBlick“ machte er nebulöse Andeutungen, dass Deutschland den Zuschlag für die WM 2006 nur dank Schmiergeldzahlungen erhalten habe.
„Gekaufte WM... Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10 zu 10 bei der Abstimmung ein 10 zu 9 für Deutschland hatte. Ich bin froh, musste ich keinen Stichentscheid fällen. Aber, na ja, es steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv“, sagte Blatter. Auf die Nachfrage, ob er vermute, dass die WM gekauft worden sei, antwortete der FIFA-Boss: „Nein, ich vermute nichts. Ich stelle fest.“
Deutschland hatte vor zwölf Jahren in Zürich in einer Kampfabstimmung im 24-köpfigen Exekutivkomitee der FIFA mit 12:11 Stimmen den Zuschlag für die WM 2006 erhalten. Der Ozeanien-Vertreter Charlie Dempsey (Neuseeland) enthielt sich damals der Stimme, sodass die Bewerbung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) knapp die Oberhand behielt. Bei Stimmengleichheit hätte Blatter als Präsident für die Entscheidung gesorgt; er war bereits für 2006 ein Befürworter einer WM in Südafrika gewesen.
Blatter bestätigte in dem Interview zudem, dass Ligapräsident Reinhard Rauball ihn persönlich zum Rücktritt aufgefordert habe. „Rauball hat mich am Freitag angerufen und mir gesagt, ich solle zurücktreten. Ich sagte ihm, das sei nicht so einfach, wie er sich das vorstelle. Schließlich bin ich vom Kongress gewählt“, berichtete Blatter.
Dem FIFA-Präsidenten wird von vielen Seiten vorgeworfen, von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an den früheren FIFA-Chef Joao Havelange (Brasilien) und dessen ehemaligen Schwiegersohn Ricardo Teixeira gewusst und sie mitverschleiert zu haben.
In einer FIFA-Mitteilung sprach der Verbandsboss von „Provisionszahlungen“. Man habe solche damals „als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen“ können. „Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen. Ich kann also nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war“, sagte Blatter.

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