Fußball

Samstag, 29. Dezember 2012

Experte erforscht Trainer-Verhalten: Sein Tipp: Öfter die Klappe halten!

Von UWE BÖDEKER

Der Kölner Forscher Dr. Daniel Memmert.
Der Kölner Forscher Dr. Daniel Memmert.
Foto: Bödeker
Köln –  

Jupp Heynckes (67) liegt mit den Bayern nach einer starken Hinrunde auf Titelkurs. Der Trainer ist zufrieden: „Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen ihn unbeirrbar weitergehen.“

Doch wie groß ist der Einfluss des Trainers auf seine Mannschaft? Das analysiert Dr. Daniel Memmert (41) an der Sporthochschule in Köln.

In seinem Büro im 3. Stock flimmert ein Video-Mitschnitt über den Bildschirm. Torhüter Manuel Neuer (26) rollt den Ball völlig ohne Not vor die Füße eines Gegenspielers. Der fackelt nicht lange und trifft ins Tor. Die Kollegen sind entsetzt, Neuer schüttelt den Kopf – und erklärt: „Der Trainer wollte, dass ich das Spiel schnell mache, dass ich den schnellen Konter einleite. Den Gegenspieler habe ich nicht gesehen.“

Trainer Jupp Heynckes ruft Kommandos auf den Platz.
Trainer Jupp Heynckes ruft Kommandos auf den Platz.
Foto: dpa

Eine Szene, die zeigt, wie Anweisungen Spieler beeinflussen können. „Wenn vom Trainer eine konkrete Aufgabenstellung an den Spieler herangetragen wird, kann es sein, dass der Spieler andere Dinge nicht mehr beachtet“, sagt Dr. Memmert.

„Durch die Aufgabenstellung hat Neuer in der gezeigten Situation sein Aufmerksamkeitsfenster verkleinert. Den Gegenspieler hat er also gar nicht wahrgenommen, weil er sich so sehr auf die Aufgabe Konter konzentriert hat.“

Der Professor leitet an der „SpoHo“ das Institut für Kognitions- und Sportspiele. Zahlreiche Vereine nutzen seine Erkenntnisse. Und die lauten im Fußballer-Deutsch: Öfter mal die Klappe halten!

Memmert: „Die besten Trainer schulen das Verhalten der Spieler auf dem Platz nicht mit Instruktionen und Kommandos, sondern sie entwickeln Spielformen, in denen die Aufgabenstellung umgesetzt werden muss. Dadurch bleibt das Aufmerksamkeitsfenster groß und die Spieler agieren kreativer.“

Zudem rät er Trainern, eine Gegner-Analyse vier bis fünf Tage vor dem Spiel durchzuführen. „Dann sollte man der Mannschaft die Stärken und Schwächen des Gegners mitteilen. Passiert dies erst am Abend vor dem Spiel, würde man die Spieler zu sehr fokussieren. Der Trainer muss wissen, dass jedes Wort extrem wichtig ist, denn es beeinflusst die Spieler.“

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