Dynamo-Trainer Christian Benbennek muss mit seinem Team gegen einen unsichtbaren Gegner ankämpfen.  imago images/Matthias Koch

Berlin - Hamstern erlaubt! Ausdrücklich. Sogar erwünscht. In den Fanshops der kleinen Vereine. Sie alle brauchen dieser Tage dringend Geld. Jeder Cent hilft weiter. Und derzeit stellen die Klub deswegen einiges auf die Beine. Ob virtuelle – und damit sehr kalorienbewusste und auch für erklärte Vegetarier zu genießende  – Bratwürste, frisch Gezapftes oder Tickets für Geisterspiele: alles darf sein für den Verein. Und so nimmt es nicht Wunder, dass auch der BFC Dynamo sein imaginäres Benefizspiel ins Leben ruft. Mit einem Augenzwinkern versteht sich. Denn der Gegner ist der derzeit wohl verhassteste "Klub" des Planeten: der FC Corona Covid-19.

Ja, richtig gelesen. Die Zeiten sind eh ernst genug. Warum dem Ganzen nicht mal mit einer gehörigen Prise Humor begegnen. Kreativ sind sie in Hohenschönhausen. Fängt schon beim Datum und dem Spielort an. Der Geisterkick steigt am 18. April (13.30 Uhr). Also einen Tag früher, als die vorläufig vom Senat verhängte Platzsperre läuft.

Schiri heißt K. Rann-Täne

Und gegen einen unsichtbaren Gegner spielt man am besten in einem Stadion, das es gar nicht mehr gibt. In diesem Fall ist es das traditionsreiche, längst abgerissene Stadion der Weltjugend, einst Stätte großer Pokalschlachten. Auch die Unparteiischen sind dem Kick angemessen. Geleitet wird die Partie gegen den übermächtig erscheinenden Gegner vom finnischen Unparteiischen Dr. K. Rann-Täne. Ihm assistieren Bin Im-Mun aus Südkorea und der Norweger Bleibge Sund. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Schob ab einem Euro ist man dabei. Virtuelles Bier, Bratwürste, Tickets, VIP-Eintrittskarten. Der Sponsor des Tages wird gesucht. Auch auf die Mannschaftsaufstellung kann der Fan ausnahmsweise Einfluss nehmen. Kostenpunkt: schlappe 2 Euro. Selbst an Softeis für die Kleinen wurde gedacht. Jeder kann sich also einbringen. Auch die Pyromanen unter den Fans kommen auf  ihre Kosten. Virtuelles Feuerwerk fehlt auch nicht auf der Angebotspalette. Kann man nur hoffen, dass der NOFV von einer virtuellen Geldstrafe absieht wegen des unerlaubten Hantierens mit Feuerwerk ...

Der BFC Dynmao lädt zum virtuellen Benefizkick

Trainer Christian Benbennek macht seine Jungs heiß wie zu einem richtigen Match. „Es wartet ein extrem wichtiges Spiel auf unseren Verein gegen einen aggressiven, hartnäckigen Gegner. Wir hoffen natürlich, dass Philipp Schulz rechtzeitig wieder fit wird, damit wir unsere beste Mannschaft aufstellen können. Ich kann allen Fans versprechen, dass unser ganzes Team alles tun wird, um diesen Gegner 90 Minuten zu jagen und aus dem Stadion der Weltjugend zu schießen“, sagte der 47-Jährige. Eine feine Geste gegenüber seinem Mittelfeldspieler Schulz, der sich ja das Virus eingefangen hatte. 

Spaßige Aufbereitung eines ernsten Themas. „Gerade die kleinen Vereine leiden besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der notwendigen Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen bzw. zu verhindern“, sagte BFC-Präsident Norbert Uhlig. „Doch trotz des verordneten Stillstands laufen unsere Ausgaben ja alle weiter. Jetzt ist jeder gefordert, der den BFC im Herzen trägt, um Dynamo den Rücken zu stärken und durch diese schwere Zeit zu begleiten.“

Mit dieser humorvollen Art scheinen die Weinrot-Weißen den Nerv bei ihrer Anhängerschaft gut getroffen zu haben. Allein in den ersten Tagen der bis zum 18. April laufenden Aktion trudelte ein fünfstelliger Betrag auf den Konten der Dynamos ein. Hilft natürlich wirtschaften in diese schwierigen Zeiten. Und zeigt, dass der DDR-Rekordmeister sich auf seine Fans verlassen kann.

Alle Infos unter: https://fckcrna.bfc.com/