Ein kleiner Pieks in den Oberarm: Er hat das Leben von Daniel Venk (38) zur Hölle gemacht. Der junge Mann aus Kreuzberg ließ sich im Dezember 2009 gegen Schweinegrippe impfen. Kurz danach erkrankte er an Narkolepsie. Eine unheilbare Schlafstörung, die Betroffene aus ihrem Alltag reißt. In Finnland und Schweden wiesen Ärzte einen Zusammenhang nach, nachdem dort 289 Menschen erkrankten. In Deutschland sind es sechs Erwachsene und 16 Kinder.
„Heute ist ein guter Tag“, sagt Daniel Venk. Seinen richtigen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, weil nur enge Freunde und sein Arbeitgeber Bescheid wissen. Ein guter Tag bedeutet: Er kann sich halbwegs auf das Gespräch konzentrieren und die Augen offen halten. An schlechten Tagen erschlaffen plötzlich die Muskeln, bei vollem Bewusstsein verliert er die Fähigkeit, sich zu bewegen. Auslöser sind Emotionen. Schon durch Lachen, oder wenn ihn plötzlich jemand anspricht, gerät er in diesen Zustand.
1. Wer soll sich impfen lassen? (1/4)
Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt folgenden Risikogruppen eine Grippe-Impfung: Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Kinder und Erwachsene, die an chronischen Krankheiten leiden, zum Beispiel an Asthma, an chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen wird der Pieks empfohlen. Ältere und chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich den Grippeschutz vorher holen.
Foto: dpa„Das ist sehr unangenehm, weil ich mich überhaupt nicht wehren kann“, erzählt Venk. Es passiert auf dem Weg zur Arbeit, in der Bahn, mitten in Besprechungen oder beim Essen mit Freunden. Zum Krankheitsbild gehören auch schwere Halluzinationen und, was für Laien besonders unverständlich ist, ständiges Aufwachen in der Nacht. Der normale Schlaf-Wachrhythmus ist bei Narkolepsie-Patienten durcheinander. Morgens muss Venk Aufputschmittel schlucken, abends zum Runterkommen Psychopharmaka. „Trotzdem bin ich immer todmüde“, sagt er resigniert.

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