Unser neuer Flughafen alias der Fluch-Hafen macht so langsam Harald Glööckler Konkurrenz. In Sachen „Inszenierung als nicht enden wollende Großbaustelle“ nehmen sich inzwischen beide nichts. Doch während Harald dabei glitzert wie eine Vorstadtqueen, versinkt der neue Airport (BER) immer mehr in Peinlichkeiten.
Ich muss gestehen, mir kommt das alles sehr entgegen. Wie oft wird man denn als Frau unter Druck gesetzt, wenn es darum geht, rechtzeitig fertig zu werden? Hallo!? Ein Schrank voller Kleider aber genau in dem Augenblick eben nichts anzuziehen. Soweit so normal.
Ich gebe es zu, oft liegt es bei mir nur daran, dass ich die guten Kleider zwischen all den anderen einfach übersehe. Ich kann nicht loslassen. So war das schon immer. Bei Stofftieren, Kleidchen, Männern – ups, nein, da natürlich schon – und auch bei Flughäfen. Es ist ja noch nicht so lange her, da habe ich mich über die Schließung von Eddi dem schnuckligen Tempelhofer aufgeregt wie ein kleines Kind, dem die Eiswaffel in den Sand gefallen ist. Und was ist heute? Ein tolles Freizeitgebiet mit hohem Entwicklungspotenzial. Ich gebe es zu, in Sachen Veränderungs-verweigerung habe ich mich schnell an das Berliner Gemüt angepasst. Dauerbaustellen sind mir nicht fremd. Sie gehören zum Stadtbild. Als der Potsdamer Platz endlich fertiggestellt war, habe ich ihn erst einmal gar nicht wiedererkannt, so ganz ohne Baustaub und Stahlgerüst.
Berlin wird eben nie fertig, und wahrscheinlich kann man die Metropole an den ganzen Schuttgruben sogar vom Weltall aus erkennen. Ich werde mich jetzt noch ein Weilchen an meinen Kuschel-Tegel klammern und die restliche Zeit, die wir noch haben, genießen. Und wenn Sie Ihr Gatte das nächste Mal drängelt, schneller fertig zu werden, denken Sie an BER.
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