Zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs geht alles. Sogar das Lieblingspferd vom „ollen Fritz“ kehrt nach Potsdam ins Neue Palais zurück – als Gerippe und wichtiges Stück in der millionenschweren Ausstellung „Friederisiko“.
Und was sagen uns die 208 Jahre alten Gebeine? Einmal mehr, dass Friedrich II. seine Tiere vergötterte. Schimmel Condé – benannt nach einem großen französischen Feldherren – wurde mit Luxus verwöhnt, erlangte so ein biblisches Pferde-Alter von 38 Jahren. Bei seinem Ableben hatte er noch gesunde Knochen und alle Zähne. Schwer ackern musste Condé nie.
Erst mit elf Jahren wurde Condé eingeritten. Für Spazierritte des Königs, ansonsten lebte er frei nach seiner Fasson in Sanssouci. Statt hartes Heu durfte er Blüten, feine Gräser, Obst und Gemüse kauen. Ein Augenzeuge: „Condé trabt hinter dem König her, beschnuppert seine Rocktaschen, aus denen sich das Pferd Melonenschnitten und Feigen hervorzieht.“ Selbst ins Schloss durfte Condé, ohne gescholten zu werden. Auch wenn Fliesen unter seinen Hufen zerbrachen.
Sechs Wochen vor seinem Tod am 17. August 1786 stieg Friedrich das letzte Mal in den Sattel. Condé überlebte ihn um 18 Jahre, erst im Gestüt Neustadt/Dosse , ab 1790 in der gerade gegründete „Königlichen Tierarzneyschule Berlin“. Nach seinem Tod wurde die Haut ausgestopft, sie und das blausamtene Zaumzeug fielen im Zweiten Weltkrieg einer Luftmine zum Opfer. Das Skelett steht heute noch in der Veterinär-Anatomie der FU Berlin, kommt nach der „Friederisiko“-Schau dort auch wieder hin.
Einen Makel aber hat das Skelett: eine Delle im Nasenbein, offenbar vom unsanften Zügeln. Bekanntlich war Friedrich ein lausiger Reiter. Aber irgendwie musste er sich auf Condé halten. Weil ihm Züchtigung von Pferden ein Graus war, ritt er zeitlebens auch ohne Gerte und Sporen. Von einem Diener einmal darauf angesprochen, stach Friedrich ihm mit einem spitzen Gegenstand in den Bauch.
MKL
Die „Friederisiko“-Ausstellung findet vom 28. April bis 28. Oktober im Neuen Palais und im Park Sanssouci statt. Ein Höhepunkt wird das historische Pferdekarussell „Le Carrousel“ (carrousel-de-sanssouci.de) vom 19. bis 22. Juli sein. Vorbild ist ein höfisches Fest, das Friedrich der Große anno 1750 in Berlin aufführen ließ. Die hohe Schule der barocken Reitkunst wird begleitet von Bläser- und Kammermusik, Tänzen und artistischen Kunststücken. Die Karten für das Spektakel kosten zwischen 54,50 Euro (Tribüne hinten) und 283,50 (Fürstenloge inkl. 4-Gang-Menü).

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