Kommt jetzt die ganze Wahrheit des Massakers ans Licht? Laut amtsärztlichem Gutachten ist Willi B. (85) aus Märkisch-Oderland vernehmungsfähig. Er kann jetzt verhört werden.
Rückblick auf den 10. Juni 1944. Im französischen Ort Oradour-sur-Glane trieben SS-Schergen Frauen, Kinder und sogar Babys in eine Kirche und zündeten diese an. Willi B. soll zu dieser Zeit einer Kompanie des Panzer-Grenadier-Regiments „Der Führer“ angehört haben. B. sagte dazu im Dezember, als der KURIER ihn in seinem Heimatdorf besuchte: „Es war Krieg und der war grausam.“ Bei einer Razzia im Oktober war auch B.’s Haus durchsucht worden. Laut Ermittlern machte er da einen dementen Eindruck – der jetzt widerlegt wurde.
Bislang konnten B. und sechs anderen mutmaßlichen Kriegsverbrechern die Gräueltaten nicht vorgeworfen werden. Der zuständige Staatsanwalt Andreas Brendel hat nun Hoffnung, dass das Massaker aufgeklärt werden kann. „Das Regiment ,Der Führer’ war zur Tatzeit definitiv in Oradour. Wir müssen den Verdächtigen aber konkrete Taten nachweisen“, so Brendel zum KURIER.
Dabei hat B. längst zugegeben, in Oradour gewesen zu sein. Er sagte in einem DDR-Prozess, dass er mit „weiteren Kameraden meines Zuges einen uns zugewiesenen Abschnitt des Ortes durchsuchen und dabei eventuell aufgespürte Personen festhalten“ musste. Eine Beteiligung am Mord stritt er ab, obwohl sein Vorgesetzter ihm einen Erschießungsbefehl erteilte.
1961 soll er sich im Braunkohlewerk Laubusch als SS-Angehöriger zu erkennen gegeben haben. Den Leiter des Wohnlagers soll er als „arbeitsscheues Element“ beschimpft haben und folgendes gesagt haben: „,Ich war früher bei der SS und mit solchen Leuten haben sie früher was ganz anderes gemacht.“

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