Die Betreiber dieses Steglitzer Kinos scheinen sich sicher zu sein, dass es bald wieder Vorführungen geben wird. Foto: Gerhard Lehrke

Berlin - Michael Müller, der im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgab, zeichnete ein Zukunftsbild: „Wir Berlinerinnen und Berliner haben schon viele schwere Zeiten überstanden und miteinander schon mancher Krise die Stirn geboten. Und deswegen bin ich zuversichtlich, dass wir die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus gemeinsam tragen und ertragen werden. Wir werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.“

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller bei seiner Regierungserklärung. Foto: dpa

Müller zählte auf: „Dann werden Großeltern wieder mit ihren Enkeln spazieren. Menschen aus aller Welt werden wie früher am Brandenburger Tor ihre Selfies machen und in unseren Clubs feiern. Liebende werden Hand in Hand an der Spree entlang flanieren. Wir werden in Gärten grillen, im Tiergarten Volleyball spielen. Wir werden wieder in unserem Berlin leben!“

Dafür lohne es sich zu kämpfen. „Berlinerinnen und Berliner sind Herausforderungen immer mit einem ,davon lassen wir uns nicht unterkriegen’ begegnet. Dieser Geist ist es, den wir jetzt wieder brauchen.“

Müller wollte aber nichts beschönigen, weil es nach wie vor „um Leben und Tod“ gehe, und es großer Anstrengungen bedürfe, um die von ihm gezeichnete Zukunft auch zu erreichen. Er sei zwar überwältigt von Einsicht, Disziplin und Hilfsbereitschaft von fast allen Menschen in Berlin.

Aber: „Niemand weiß, wie lange wir unser gewohntes Leben einschränken müssen. Niemand weiß, welche Schritte noch nötig sein werden.“ Müller hofft, dass es keine noch weitergehenden Maßnahmen geben muss – im Wissen: „Was heute noch als richtig und ausreichend angesehen wurde, kann morgen schon wieder überholt sein.“   Bei seiner Rede, in der er breit allen dankte, die sich der Bekämpfung der Seuche und der Versorgung der Berliner widmen, und in der er die inzwischen billionenschweren Maßnahmen des Bundes und Berlins aufzählte (der KURIER berichtete), legte Müller hierauf Wert: Er halte „weiterhin eine generelle Ausgangssperre für das letzte mögliche Mittel und will sie vermeiden.“ Er wolle deren Folgen nicht riskieren – Zunahme häuslicher Gewalt, schwere psychische Folgen durch Isolation.

Es gab in der Erklärung Müllers eine Reihe von Appellen: An den Bund, das Kurzarbeitergeld zu erhöhen – 60 Prozent des Nettos bei Menschen ohne und 67 Prozent bei Menschen mit Kindern seien zu wenig. Die Wirtschaft möge alles tun, um ihre Leute nicht zu entlassen. Vermieter sollten davon absehen, Wohn- und Gewerbemietern zu kündigen, wenn die wegen Corona nicht zahlen können. Und alle sollten ihrem Nächsten helfen, zum Beispiel für alten Nachbarn einkaufen.

In der Rede wurde Müllers Stimme nur einmal schneidend: „Wer in Krankenhäusern Desinfektionsmittel oder Schutzmasken entwendet oder wer immer noch zu Partys einlädt, der riskiert Menschenleben! Und es ist asozial, wenn Hamsterkäufe zu vorübergehend leeren Regalen führen.“ Man solle nur kaufen, was man brauche, damit auch Pflegekräfte nach der Arbeit etwas finden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) weist darauf hin, dass Menschen ohne Corona-Symptome oder ohne Aufenthalt in eine Hochrisikogebiet nicht getestet werden sollen.  Foto: dpa

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn ließ einen Funken Hoffnung spüren, vielleicht nur, um Verzweiflung vorzubeugen. Denn er sieht noch keinen Anlass zur Entwarnung. „Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm. Keiner kann genau sagen, was in nächsten Wochen kommt.“ Ärzte und Pflegekräfte „bereiten sich auf die wohl größte Herausforderung in 75 Jahren vor.“ Ähnlich wie Müller meinte er, dass die beschlossenen Einschränkungen und Maßnahmen durchgehalten werden. Dann, und nur dann gelte: „Wenn wir das schaffen, können wir nach Ostern über weitere Perspektiven reden.“