Seit viele Arbeitnehmer im Home Office oder Zwangsurlaub sind, suchen sie sich Quarantäne-Hobbys. In einzelnen Fällen bildeten sich bereits Warteschlangen vor den Märkten. Foto: imago

In Zeiten von Corona wird nicht nur im Supermarkt gehamstert. Auch die Berliner Baumärkte platzen aus allen Nähten. Viele Kunden rüsten sich jetzt mit Heimwerker- und Gartenbedarf. Der Grund: Seit viele Arbeitnehmer im Home Office oder Zwangsurlaub sind, suchen sie sich Quarantäne-Hobbys. In einzelnen Fällen bildeten sich bereits Warteschlangen vor den Märkten.

Der Parkplatz des Globus-Baumarkts an der Landsberger Allee ist bestens gefüllt. Die Kunden schleppen Blumen, Gartenerde und Holzbretter zu ihren Autos. Erstaunlich, wie viele Leute jetzt an einem Werktag die Zeit aufbringen, sich für Dünger, Dübel und Dachpappe zu begeistern. So wie hier ist es auch anderswo – bei  Obi, Toom, Hellweg, Hornbach. Vor dem Bauhaus-Markt am Hermannplatz bildete sich Mittwochmittag eine rund 100 Meter lange Schlange. Auf einem Infoschild hieß es, man lasse in Absprache mit den Behörden nur noch 100 Kunden gleichzeitig rein. 

Strenge Vorschriften für Unternehmen

Hintergrund: Nach den aktuellen Corona-Vorschriften dürfen  Baumärkte zwar unter Auflagen öffnen. Aber sie müssen alles dafür tun, Kunden und Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen. Marktleiter können den Zugang regulieren. Es werden Desinfektionsspender aufgehängt, Reinigungsintervalle verkürzt, Beschäftigte mit Plaste-Handschuhen versorgt. Infotafeln und mobile Abstandshalter mahnen, an der Kasse eine Mindestdistanz zu wahren. Kassierer sind durch „Spuckschutz“-Folien abgeschirmt. 

Trotzdem droht womöglich eine Schließung der Baumärkte. Zumindest ist sie in den Corona-Expertenstäben kein Tabu mehr. Ein Problem: Viele Kunden halten sich nicht an die Regeln. Auch den KURIER-Reportern fiel auf, wie schwer es sein kann, zwei Meter Abstand zu wahren. Aber fest steht: Corona lauert auch im Baumarkt!

Baumarkt statt Enkelbesuch

Für die Baumarkt-Shopper Manfred (65) und Gabriele Lück (67) geht die Corona-Krise mit einer großen Einschränkung einher. „Wir können unsere Enkel wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr besuchen“, sagt das Ehepaar aus Hohenschönhausen. Tatsächlich raten Experten, dass Senioren gut aufpassen sollen, sich nicht bei Kindern zu infizieren. Manfred und Gabriele Lück nutzen die frei gewordene Zeit jetzt, um ihren Balkon mit Blumen zu schmücken und die Küche zu malern. „Im Baumarkt decken wir uns dafür mit den nötigen Utensilien ein“, sagen sie.

Ich mache die Terrasse frühlingsfertig

Yassin Ahkhalili (22)

Mit einem großen, grünen Teppich in Rasen-Optik kommt Yassin Ahkhalili (22) aus dem Baumarkt. Der Autowäscher aus Hellersdorf wurde von seinem Chef bis Mitte April in Corona-Zwangspause geschickt. Das verschafft ihm die Zeit, die heimische Terrasse frühlingsfit zu machen – mit dem Kunstteppich und frischen Blumen. „Ich wollte eigentlich in den Urlaub fahren“, sagt Yassin. „Aber auch das geht wegen Corona ja nicht mehr so leicht.“ Er macht es sich nun einfach zu Hause gemütlich. Dort könne er sich auch nicht anstecken.

Heimwerken nach der Kita-Schließung

Abiturient Emanuel (18) und seine Mutter Kathrin Winkler (50) aus Lichtenberg räumen Blumenerde und Holzbretter in den Kofferraum. Sie waren im Baumarkt einkaufen und wollen heimwerken, denn beide haben jetzt mehr Zeit. „Ich bin Kindergärtnerin, aber unsere Kita ist vorerst wegen der Corona-Gefahr geschlossen“, sagt Kathrin Winkler. Sohn Emanuel hat ohnehin keine Schule mehr, denn die Abiturienten sollen sich in Ruhe auf ihre Prüfungen vorbereiten. „Nach jetzigem Stand finden die Abi-Klausuren trotz Corona statt“, sagt er.