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Mildes Urteil: Der Geisel-Gangster, der eigentlich ein armer Tropf ist

Bankräuber Hans-Peter G. (r) mit seinem Anwalt vor Gericht

Bankräuber Hans-Peter G. (r) mit seinem Anwalt vor Gericht

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dpa

Moabit -

Der Gangster klopfte in der Bank mit einer Knarre auf den Tisch, nahm eine Geisel, doch Geld verlangte er nicht. Hans-Peter G. (68) wollte ins Fernsehen. Jetzt saß er als armer Tropf vor dem Richter und jammerte: „Ich wollte nicht in ein Obdachlosenheim.“

Als Angeklagter steckte er im Knast-Blaumann, schämte sich: „Habe absoluten Mist gebaut.“ Ein Mann, der 18 Jahre lang als Haushandwerker bei der Treberhilfe gearbeitet hat. Zwar war er davor oft kriminell, doch in den letzten zwei Jahrzehnten lebte er brav. Dann die Pleite der Treberhilfe. 2011 bekam er kein Geld mehr, beantragte keine Rente, flog Mitte 2012 aus der Wohnung in Adlershof.

Der 27. Dezember. Vier Monate ohne Wohnung lagen hinter ihm, als er eine alte und rostige Schreckschusswaffe nahm. Um 13 Uhr ging er in die Postbankfiliale in der Joachimstaler Straße (Charlottenburg). Als angeblicher Kunde saß er einem Angestellten (49) gegenüber. Doch dann drohte er: „Ich schieß dir ins Knie.“

Er verlangte: „Ich will mit dem Fernsehsender RBB reden.“ Weil er seine Obdachlosigkeit ungerecht fand. Der Filialleiter (28) musste kommen, um ein TV-Interview zu vermitteln.

Während sich der Geiselnehmer den Cappuccino schmecken ließ , den man ihm angeboten hatte, ging der Chef im Nebenzimmer ans Telefon. Doch statt den RBB rief er die Polizei an. Für G. wurde noch Bier bestellt. Doch trinken konnte er es nicht: Ein SEK kam als TV-Team getarnt und überwältigte den Gangster.

Der Richter ließ Milde walten: „Er sah sich keinen Ausweg, es war ein Augenblicksversagen.“ Urteil: zwei Jahre Haft auf Bewährung. KE.