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Spreepark-Witte: Abrechnung hinter Gittern

Berlin/ Callao -

Seit zehn Jahren sitzt Marcel Witte in Peru im Knast, verurteilt wegen Drogenschmuggels. 167 Kilogramm Kokain sollten von Südamerika nach Deutschland gebracht werden, versteckt in den Trägern eines Karussells. Jetzt hat die RBB-Reporterin Bettina Rehmann den 33-Jährigen in einem der härtesten Knäste der Welt besucht.

Rückblick: Die Familie Witte hatte jahrelang den traditionsreichen Spreepark geführt, ging Ende 2001 aber pleite. Familienoberhaupt Norbert Witte ging mit Frau Pia und seinen fünf Kindern nach Peru, versuchte hier sein Glück. Doch die Ehe zerbrach, Pia Witte kehrte mit den vier Töchtern nach Deutschland zurück.

Sohn Marcel blieb bei seinem Vater – und der fädelte einen gewaltigen Drogendeal ein. „Ungefähr zehn Tage vor meiner Verhaftung hat er mir gesagt, in was er da verwickelt ist“, sagt Marcel. Anschließend flog Norbert Witte nach Deutschland, um den 167-Kilo-Deal abzuschließen.

Doch so weit kam es nicht: Der geplante Schmuggel flog auf, Marcel Witte wurde verhaftet und zu 20 Jahren Knast verurteilt. „Als ich klein war, war mein Vater für mich mein Held. Heute kann ich darüber nur noch schmunzeln. Ein richtiger Vater bringt seinen Sohn nicht in so eine Situation. Das ist einfach unmenschlich gewesen!“

Auch das Verhalten seines Vaters nach dem geplatzten Deal sei enttäuschend. „Mein einziger Wunsch war, dass er sich um die Familie kümmert, um meine kleinen Schwestern. Aber das hat er anscheinend nicht gemacht. Die hätten einen Vater gebraucht, als die Presse voll war mit dem Skandal über den Drogenhandel“, so Marcel. Doch so widersprüchlich es klingt – sein Vater hat ihm unfreiwillig die Kraft gegeben, den brutalen Knast-Alltag zu überleben. „Es gibt zwei Gefühle, die einen am Leben halten: Liebe und Hass. Damit kann man viele Sachen durchstehen. Die ersten Jahre war es bei mir der Hass.“

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