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Schwarze Schafe: Die Straftaten-Fälscher von der Bundespolizei

Berlin -

Sie sollen uns vor Kriminellen beschützen und an Flughäfen und Bahnhöfen für unsere Sicherheit garantieren. Doch mindestens drei Bundespolizisten jagten und schikanierten am Ostbahnhof stattdessen lieber Obdachlose und Bettler. Um so schneller befördert zu werden. Jetzt sind die schwarzen Schafe der Bundespolizei ins Visier des Landeskriminalamtes geraten.

Offiziell laufen die Ermittlungen wegen des „Verdachts auf Verfolgung Unschuldiger“, wie der KURIER erfuhr. So sollen die drei Beamten der Bundespolizei-Inspektion Ostbahnhof völlig willkürlich Strafanzeigen geschrieben haben – um schneller befördert zu werden. Auf ihren Patrouillen in den Bahnhöfen Lichtenberg und Ostbahnhof hätten sie es vor allem auf betrunkene Obdachlose abgesehen und ihnen grundlos Straftaten und Ordnungswidrigkeiten angehängt, so der schwerwiegende Vorwurf.

„Das ist hier echt schlimm geworden für uns“, sagt 42-jährige Marek. Seit zwei Jahren lebt der Mann in der Gegend rund um den Ostbahnhof, sammelt hier Flaschen, schnorrt Passanten an und sucht sich nachts einen warmen Schlafplatz. „Ich tue niemanden etwas, schnorre nicht aufdringlich und war auch noch nie im Gefängnis“, so der Mann weiter. „Aber in den letzten Monaten bin ich immer öfter von irgendwelchen Polizisten kontrolliert und gefilzt worden, wurde angezeigt weil ich mich angeblich dagegen gewehrt hätte und habe Platzverbote bekommen. Und als Obdachloser hast du doch keine Chance, dich dagegen zu wehren.“

Schlimm: Einer der drei beschuldigten Bundespolizisten sagte bereits aus, dass eine „interne Zielvorgabe der Bundespolizeidirektion Berlin“ ihn und seine beiden Kollegen dazu gebracht hätte, Unschuldige zu drangsalieren. In dieser Zielvorgabe, ausgegeben im April 2013 vom Chef der Direktion Berlin, Thomas Striethörster, sei „die Zahl der Fahndungstreffer als wichtiges Kriterium für gute Polizeiarbeit“ erklärt worden. Und das, obwohl die Behördenspitze in Potsdam diese fragwürdige Zielvorgabe im Januar 2013 bereits offiziell verboten hatte!

Bislang unklar ist, wie das Landeskriminalamt den drei Bundespolizisten auf die Schliche kam. Zwei der Männer wurden suspendiert. Die weiteren Ermittlungen übernimmt jetzt die Staatsanwaltschaft.