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26. February 2016
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Reichlich Schmiergeld: So lief der Deal der Lageso-Abzocker

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Seit Monaten herrscht vor dem Lageso Chaos. Der jüngste Bestechungsfall ist ein weiterer Skandal. 

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dpa

Berlin -

Es ist bizarr: Helfer opfern sich ehrenamtlich auf, während ein leitender Lageso-Angestellter reichlich Schmiergeld kassiert haben soll. Jetzt kommt raus: Der Behördenmitarbeiter Stefan T. (48) und der Chef des ominösen Sicherheitsdienstes kennen sich nicht zufällig. Sie waren bereits vor 15 Jahren Geschäftspartner!

Seriös ist anders. Selbst Branchenkenner haben von der kleinen Firma D. noch nichts gehört. Kein Wunder: Sie ist im Handelsregister auch als Hausmeisterservice geführt.

Hinter der offiziellen Adresse verbirgt sich eine Postkastenfirma am Kurfürstendamm in Charlottenburg. Der Sitz ihres noch kleineren Tochterunternehmens ist lediglich eine Wohnung in einem Tegeler Plattenbau. Am Postkasten, der laut Nachbarn nie geleert wird, weil dort niemand zu wohnen scheint, stehen drei Namen. Zwei davon sind die Geschäftsführer der Sicherheitsfirma, gegen die die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der dritte ist der Nachname des Lageso-Referatsleiters.

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Lageso-Mann Stefan T. (48) soll ihm dafür Aufträge zugeschustert haben.

Stefan T. kennt den großzügigen Geldgeber also nicht nur flüchtig. Im Gegenteil: Er arbeitete bereits vor 15 Jahren mit zwei von ihnen zusammen. Im April 2011 gründete Stefan T. eine Aktiengesellschaft. Ihre Dienstleistungen: Personenschutz, Handel mit Sicherheitstechnik und Gebäudereinigung. Und wer saß im Aufsichtsrat? Dino J., festgenommener Geschäftsführer der Firma D., die mehrmals zwischen 5000 und 10 000 Euro Bestechungsgeld an Lageso-Referatsleiter Stefan T. gezahlt haben soll.

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Dino J. (48), Chef der Firma D., soll Schmiergeld gezahlt haben. 

Dino J. scheint sich mit solchen Firmengeflechten auszukennen. Der 48-Jährige war zwischen 1998 und 2001 sechsmal bei solchen kleinen Firmen Geschäftsführer, wurde aber immer wieder abgelöst und wieder eingestellt. Dabei tauchen immer wieder Namen auf, gegen die auch jetzt im Lageso-Skandal ermittelt wird.

Gegen die Haupttäter Dino J. und Stefan T. wurden gestern Haftbefehle erlassen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Es gehe um Bestechung und Bestechlichkeit in 18 Fällen. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Bei Durchsuchungen waren 51.000 Euro Bargeld und ein Auto beschlagnahmt worden.

Mit dem jüngsten Vorfall geraten die Lageso-Verantwortlichen noch mehr unter Druck. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte, die Vergabe von Aufträgen an Sicherheitsdienste sei am Lageso inzwischen anders geregelt. Die Fachaufsicht prüfe alle Vorgänge. „Ein solcher Fall könnte sich nicht wiederholen“, hieß es. Der Piraten-Abgeordnete Fabio Reinhardt sprach dagegen von Intransparenz bei der Auftragsvergabe.


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