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Rechte fackeln Auto von Flüchtlingshelferin ab: Die Nazi-Schande von Hellersdorf

Das abgefackelte Auto von Stefanie P.

Das abgefackelte Auto von Stefanie P.

Foto:

zVg

Die Gewalt in Hellersdorf eskaliert! Im Streit um das Flüchtlingsheim an der Maxie-Wander-Straße schrecken die Rechtsextremen vor nichts mehr zurück. Jetzt wurde das Auto einer Heim-Unterstützerin abgefackelt, der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

In der Nacht zu vergangenem Sonntag bemerkt ein Anwohner in Hellersdorf ein brennendes Fahrzeug und alarmiert Polizei und Feuerwehr. „Die Rettungskräfte löschten gegen 2.30 Uhr die Flammen. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus“, so die offizielle Pressemitteilung der Berliner Polizei. Doch wie der KURIER erfuhr, handelt es sich bei der Brandstiftung nicht um sinnlose Zerstörungswut. Sondern um einen gezielten und politisch motivierten Anschlag gewaltbereiter Rechtsextremisten.

Die Besitzerin des Wagens engagiert sich seit langem für Flüchtlinge des umstrittenen Heimes in Hellersdorf. Stefanie P. (Name zu ihrem Schutz geändert) ist keine Linksaktivistin, mit der Antifa hat die Frau erst recht nichts zu tun. Die 44-Jährige ist katholische Seelsorgerin, arbeitet beim Militärbischofsamt.

Als sie im vergangenen Sommer einen NPD-Aufmarsch gegen das Heim sieht, ist sie geschockt. „Das Bild, das in der Presse von Hellersdorf gezeichnet wird, ist unerträglich“, so die Frau damals. Und entschließt sich, etwas gegen den braunen Mob zu unternehmen. „Es gibt hier in Hellersdorf nicht nur Rechte, sondern auch viele Menschen, die helfen“, so die Überzeugung der Frau.

Doch schon bald merkt sie, dass die Heimgegner keine versoffenen und im Grunde ungefährlichen Wochenend-Pöbler, sondern tief überzeugte und damit brandgefährliche Nazis sind. Stefanie P. berichtet: „Als ich einmal dabei war, Hilfsgüter aus meinem Auto zu laden, wurde ich fotografiert und mein Auto-Kennzeichen wurde notiert. Mittlerweile stellen die Extremisten sogar Steckbriefe von uns Helfern mit Fotos ins Internet.“

Und tatsächlich bleibt es dieses Mal nicht bei leeren Drohungen – das Auto der mutigen Hellersdorferin ist jetzt nur noch ein verkohltes Stück Schrott. Zudem wurden vergangene Woche mehrere Heimbewohner von einer Horde Rechtsradikaler durch die Straßen gejagt, erst in letzter Sekunde konnten sich die Flüchtlinge in das Heim retten und dort verbarrikadieren.

„Das ist eine ganz neue Qualität der Gewaltbereitschaft, was hier im Moment in Hellersdorf passiert“, so Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) zum KURIER. „Menschen zu verfolgen und Autos anzuzünden, das ist etwas ganz anderes, als Parolen wie Nein zum Heim zu grölen.“ Er sei jedenfalls „froh, dass jetzt der Polizeiliche Staatsschutz eingeschaltet ist.“

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