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12. February 2016
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Polizisten dienstunfähig gekloppt: Die Polizei, Dein Freund und Prügelknabe

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Nicht nur bei Demonstrationen nimmt die Gewaltbereitschaft gegenüber der Ordnungsmacht zu.

Foto:

imago (Symbolfoto)

Berlin -

Kaum zu glauben, was Polizisten in Berlin alles erdulden müssen! Gleich mehrere Angriffe mussten Polizeibeamte in Berlin wegstecken. 

Bereits am Donnerstag war ein Beamter von einem Betrunkenen, der auch noch unter Drogen stand, mit einem Haarschneider ins Krankenhaus geprügelt worden. Der Beamte wurde verletzt, musste behandelt werden und seinen Dienst abbrechen.

Angriff gegen schlichtende Polizisten

Gegen 22.40 Uhr werden Beamte zu einem Einsatz in einem Mehrfamilienhaus nach Reinickendorf gerufen. In der dortigen Invalidensiedlung sollen mehrere Personen in Streit geraten sein. Noch während die Beamten die Situation klären wollten, griff eine unbeteiligte 45-jährige Frau einen der Polizisten an und würgte ihn. Als beide zu Boden fielen, griff der 18-jährige Sohn den Polizisten ebenfalls an. Der Brutalo prügelte auf den am Boden liegenden Beamten ein, bis weitere Polizisten ihn davon abbringen konnten. Noch während der Ermittlungen beleidigte der Täter den Polizisten mehrfach als "Nazi". Der Polizist klagte über Kopf- und Halswirbelverletzungen und musste seinen Dienst ebenfalls abbrechen.

Betrunkener rast Polizei davon und wehrt sich brutal gegen Festnahme

Doch die beiden Fälle waren nicht einmal die einzigen. Ebenfalls in der Nacht zu Freitag wurde ein weiterer Beamter bei einer Festnahme in Friedrichsfelde so schwer am Bein verletzt, dass auch er seinen Dienst beenden musste. Zuvor war die Polizei gegen 1.20 Uhr wegen eines Unfalls alarmiert worden. Ein Auto war auf das Fahrzeug eines 26-Jährigen aufgefahren. Statt sich um das Opfer zu kümmern, flüchteten die Täter. Ein Streifenwagen konnte die Vierrad-Rambos stellen, doch die versuchten zu flüchten. Als die Polizisten die beiden einholten, wehrte sich der Fahrer heftig und verletzte den Beamten. Der 38-Jährige Fahrer war betrunken. Gegen ihn wird nun wegen Trunkenheit am Steuer, Fahrerflucht und Körperverletzung ermittelt.

Übergriffe werden heftiger

Die Taten sind nur der Ausschnitt einer einzigen Nacht in Berlin. Immer wieder werden Polizisten und andere Beamte in Ausübung ihres Dienstes angegriffen. 2093 Angriffe auf Polizisten gab es in 2014 - rund sechs Prozent mehr als in 2013. Immerhin gibt die Zahl der Angriffe auf Polizisten aber seit 2010 zurück. 1340 Beamte wurden 2014 im Dienst leicht, 355 gar schwer verletzt. "Die Zahlen steigen vermutlich auch deshalb nicht mehr, weil oft die Kollegen selbst keine Anzeige mehr erstatten, wenn sie vorher abschätzen, dass da nichts bei rauskommt", so Sabine Schumann, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft. Auch würden die Angriffe immer unvermittelter kommen. "Man fährt dann zu einem Einsatz, hat vorher nur wenig Informationen und plötzlich ist Situation dort viel heftiger als zunächst vermutet", berichtet Schumann. So würden Polizisten dann häufig vorsorglich gefährliche Gegenstände wie Flaschen aus dem Umfeld schaffen, damit diese nicht als Waffen gegen die Polizisten verwendet werden können.

Auch hätte die Brutalität der Täter gefühlt zugenommen. "Das zieht sich mittlerweile auch durch alle Bevölkerungsschichten. Wenn Übergriffe auf Polizisten früher vor allem durch Menschen aus dem sozial-schwachen Milieus verübt wurden, kann das heute auch mal ein Arzt sein", sagt die Polizistin. Häufig seien Alkohol und Drogen im Spiel.

Ob sich der Trend noch umkehren lässt, kann die Gewerkschafterin nicht sagen. Bis dahin müssen die Beamten wohl weiter als Prügelknaben für Berlin herhalten.