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21. August 2013
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Nazi-Randale in Hellersdorf: Hier greift der Hass die KURIER-Reporterin an

Ein Fotograf hielt den Moment fest: Nazi Mike T., nachdem er die KURIER-Reporterin zu Boden geworfen hatte.

Ein Fotograf hielt den Moment fest: Nazi Mike T., nachdem er die KURIER-Reporterin zu Boden geworfen hatte.

Foto:

Jesko Wrede

Keine 24 Stunden nachdem die ersten Flüchtlinge ihre neue Unterkunft in Hellersdorf bezogen hatten, rief die rechtsradikale NPD am Dienstagabend zur Demo gegen das Flüchtlingsheim auf. 600 Gegen-Demonstranten standen schließlich 30 Nazis gegenüber. Zahlreiche Journalisten waren da. So auch eine KURIER-Reporterin, die über die Vorgänge berichten wollte. Doch Nazi Mike T. (30) riss sie brutal zu Boden, weil sie angeblich einen Stecker ziehen wollte.

Die Nazis versammelten sich an der Seite des U-Bahnhofs Hellersdorf auf dem Alice-Salomon-Platz. Hunderte Gegendemonstranten standen ihnen gegenüber. 250 Polizisten waren im Einsatz. Gegen 18.30 Uhr traf dann die KURIER-Reporterin mit ihrem Fotografen-Kollegen vor Ort ein. Die beiden bahnten sich gemeinsam den Weg durch die Menschenmassen der Gegendemonstration. An der Polizeikette angekommen, die die Nazi-Demonstranten von der Gegen-Demo abschirmte, zeigte sie ordnungsgemäß einem Beamten ihren Presseausweis, der sie schließlich passieren ließ.

Doch die Polizei schrieb in einer Pressemitteilung zum Angriff auf die KURIER-Reporterin: „Eine Teilnehmerin der Versammlung für das Heim nutzte unter Vorzeigen ihres Presseausweises die eingeräumten Vorrechte für Medienvertreter und konnte somit die Absperrung umgehen. Als die 30-Jährige versuchte, an der Lautsprecheranlage der Heimgegner das Stromkabel zu manipulieren, wurde sie von einem gleichaltrigen Kundgebungsteilnehmer zu Boden gestoßen. Die Frau wurde leicht verletzt, lehnte eine ärztliche Behandlung jedoch ab. Polizisten nahmen beide Beteiligte wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz bzw. Körperverletzung vorläufig fest.“

Die KURIER-Reporterin distanziert sich von den Vorwürfen dieser Darstellung, sie war nicht als Demonstrantin, sondern als KURIER-Reporterin vor Ort. Die mit vielen anderen Journalisten zwischen Polizeikette und NPDlern stand.

Jeder konnte sich in dieser Zone frei bewegen. Die meisten, wie auch die KURIER-Reporterin, hielten sich jedoch nahe der Polizei-Kette auf.

Immer wieder kam es zu Tumulten und es war zu beobachten, wie die Polizei Gegen-Demonstranten aus der Menge rausholte und abführte. Der rechte Mob stand indes regelungslos und grinsend in der Ecke, neun von ihnen hielten Plakate vor sich. Unter den Fotografen war auch ein Nazi, der unentwegt die Journalisten bei ihrer Arbeit fotografierte.

Gegen 19.30 Uhr ergriff Ronny Z. vom NPD-Bundesvorstand das Mikrofon und stellte sich etwa fünf Minuten hinter das klapprige Rednerpult. Seine rechte Hetze war jedoch kaum zu verstehen, da die Sprechchöre und Pfiffe des Gegen-Protests immer lauter wurden.

Ronny Z. übergab das Mikro schließlich an Maria F. Die Landesvorsitzende der NPD-Unterorganisation „Ring Nationaler Frauen“ hatte die Demo auch angemeldet und las ihre Rede mit schriller Stimme hinter aufgespannten Regenschirmen zweier Nazis von einem Zettel ab. Es flogen viele Eier von Gegendemonstranten in ihre Richtung.

Dann, plötzlich, und ohne Vorwarnung: Nazi Mike T., ein stadtbekannter Kameradschaftler, rannte von hinten auf die KURIER-Reporterin los und sprang ihr brutal in den Rücken, warf sie zu Boden, drückte sich mit seinem gesamten Gewicht auf die junge Frau. Ihr Kopf prallte auf den Betonboden. Sie erlitt, vom Arzt attestiert, Prellungen an Schulter, Arm und Rücken.

Aus Angst vor noch mehr Schlägen schützte sie ihren Kopf mit den Armen. Erst als ihr kurz darauf einige Polizisten zur Hilfe kamen, sah sie ihren Angreifer mit der schwarzen Sonnenbrille und der schwarz-türkisen Regenjacke.

Nach der Attacke hielt die Polizei die Reporterin zwei Stunden in einem Einsatzwagen fest. Nazi Mike T. war da bereits längst wieder frei und fuhr im NPD-Bus weg, während die Reporterin immer noch bei der Polizei saß und so daran gehindert wurde, ihrer Arbeit nachzugehen.

Die KURIER-Reporterin erstattete Anzeige wegen Körperverletzung.

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