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Lageso-Sumpf : So tief steckt die Arbeiterwohlfahrt mit drin

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Ein Wachschutz-Mitarbeiter steht vor dem Lageso.

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dpa

Berlin -

Der Chef einer Security-Firma schmierte einen Mitarbeiter des Berliner Lageso, um so Aufträge zur Bewachung von Flüchtlingsunterkünften zu ergattern. Die Gaunereien flogen auf, seitdem ermittelt der Staatsanwalt. Nach neuen Informationen steckt auch die Arbeiterwohlfahrt tief im Lageso-Sumpf.
Eineinhalb Jahre lang zahlte Dino J. jeden Monat Beträge zwischen 5.000 bis 10.000 Euro an Stefan T., damals Referatsleiter des Lageso. Als Gegenleistung verschaffte T. dank seiner Position seinem Bekannten Dino J. und dessen Firma gut bezahlte Wachaufträge für Berliner Flüchtlingsheime. Und weil mehrere dieser Heime von der Arbeiterwohlfahrt betrieben werden, ist jetzt auch die Rolle der Wohlfahrtsorganisation bei den Betrügereien Teil der staatsanwaltlichen Ermittlungen.

Wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, habe sich bei der AWO niemand dafür interessiert, ob bei Dino J. und seiner Firma alles mit rechten Dingen zuging. Bereits Anfang 2015 tauchten immer wieder Zoll- und Steuerfahnder im AWO-Büro in Wedding auf, überprüften Rechnungen von J.’s Firma. Die Fahnder vermuteten, dass J. nicht ausreichend Umsatzsteuer und Sozialabgaben zahlte.

Doch bei der AWO zog niemand Konsequenzen, im Gegenteil: Laut Spiegel erhielt Dino J. im Sommer 2015 noch einen weiteren Bewachungsauftrag für eine von der AWO betriebene Flüchtlingsunterkunft. Auch als die AWO bei einer Überprüfung feststellte, dass die ursprünglich beauftragte Firma von Dino J. keine Lizenz für die Bewachung von Flüchtlingsheimen besaß, war das kein Problem.

Der Bewachungsauftrag wurde kurz nach seiner Vergabe auf ein anderes Unternehmen überschrieben – das ebenfalls zum Firmengeflecht von Dino J. gehören soll.

Erst Ende des Jahres, als die Erkenntnisse der Finanzermittler kaum noch Zweifel daran lassen, dass Dino J. in illegale Machenschaften verstrickt ist, kündigt die AWO die Verträge. Wenige Tage vorher überwies der Wohlfahrtsverband einer Firma des Betrüger-Geflechts laut Spiegel allerdings noch satte 160.398,18 Euro.

Jetzt will die Staatsanwaltschaft wissen, warum die AWO-Verantwortlichen trotz der Ermittlungen bis zum bitteren Ende an Dino J. und seinem mysteriösen Sicherheitsunternehmen festhielten.