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Polizeieinsatz im Supermarkt: Ist man ein Verbrecher, wenn man im Laden am Basilikum zupft?

Solch ein kleines Basilikumblatt wurde der alten Dame zum Verhängnis.

Solch ein kleines Basilikumblatt wurde der alten Dame zum Verhängnis.

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Pankow -

Charlotte S. (82) war sich keiner Schuld bewusst, als sie am Gemüsestand ein Blättchen Basilikum abzupfte, um daran zu riechen. Doch damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Detektiv, der die Sache beobachtet hatte, rief die Polizei..

„Ich kannte den Gewürztopf nicht“, entschuldigt sich die alte Dame. Was auf Wochenmärkten und in türkischen Läden völlig selbstverständlich ist, löste im Supermarkt in der Neumannstraße einen Polizeieinsatz aus. Weil sie keinen Personalausweis dabei hatte, musste sie mehr als eine Stunde in einem kleinen Zimmer auf die Ordnungshüter warten. Die 82-Jährige stand die ganze Zeit. „Von dem Stuhl, der dort war, wäre ich wegen meiner Krankheit nicht wieder hochgekommen“, erklärt sie. Als sie sich auf dem Flur kurz die Beine vertreten wollte, versperrte der Detektiv den Ausgang.

Den Polizisten reichte ihre Krankenkassen-Karte, damit war der Fall für sie erledigt. Nicht so für den Detektiv. Er verhängte für ein Jahr Hausverbot in allen Filialen. Das war dann doch zu viel für die kranke Frau. Zitternd und völlig aufgelöst schleppte sich die Rentnerin nach Hause. „Vor lauter Aufregung erlitt ich einen Herzanfall, hatte wahnsinnige Angst, dass vielleicht auch noch ein Schlaganfall folgt.“

Ist das Abzupfen eines Basilikumblattes wirklich Diebstahl? „Juristisch gesehen ja“, erklärt Rechtsanwalt Thomas Hollweck. Doch der Fall ist grenzwertig. Hollweck: „Der Kunde darf die Ware testen, ob diese frisch und fehlerfrei ist. Doch wenn das jeder machen würde, wäre bald kein Basilikum mehr da. Wie weit das Überprüfungsrecht geht, müsste der Strafrichter entscheiden.“ Einfache Lösung: Personal fragen, ob man kurz probieren darf. Dies wird sicherlich nicht Nein sagen. BACH