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Islamistischer Terror: Der „Emir von Berlin“: Polizei hebt seine 11 Terror-Nester aus

Schlag gegen die Berliner Salafisten-Szene: Vor einem Haus in der Perleberger Straße stehen Polizisten. Darin befindet sich die Moschee, in der junge Männer radikalisiert wurden.

Schlag gegen die Berliner Salafisten-Szene: Vor einem Haus in der Perleberger Straße stehen Polizisten. Darin befindet sich die Moschee, in der junge Männer radikalisiert wurden.

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dpa

Berlin -

Ein Hass-Prediger, Menschenbeschaffer für den „Islamischen Staat“ und seine rechte Hand. Die Polizei schnappte am Freitag bei einer Großrazzia mit 250 Beamten zwei führende Köpfe der Berliner Islamisten-Szene: Ismet D. (41), der selbst ernannte „Emir von Berlin“ und sein Finanz-Chef Emin F. (43). Den Männern wird vorgeworfen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben. Sie bekamen Haftbefehl. Drei weitere Türken kamen wieder frei.

Razzia in Morgengrauen. Die Polizisten schlugen mit drei SEK-Einheiten zeitgleich an elf Berliner Anschriften zu. Darunter die Wohnung von Ismet D. (Familienvater mit vier Kinder, 3 bis 14 Jahre) in der Lortzingstraße im Weddinger Brunnenviertel, die gleichzeitig sein Firmensitz ist.

Offiziell betreibt er ein Bauunternehmen. SEK-Beamte traten seine Wohnungstür ein: „Ismet ist unschuldig. Die Polizei ist brutal, hat die Schusswaffen auf unsere Kinder gerichtet“, sagt seine Frau Sema.

Polizeisprecher Stefan Redlich: „Bei den Durchsuchungen wurden Flugtickets sichergestellt.“ Sie gelten als Beweisstücke. Offenbar stand einer der beiden festgenommenen Terrorverdächtigen kurz vor der Ausreise nach Syrien. Sema D.: „Wir waren mit der ganzen Familie bis vor zwei Wochen bei der Familie in der Türkei. Jetzt wollten sie die Schwester wieder besuchen.“ Angeblich müssten Familienangelegenheiten geklärt werden.

Die Behörden glauben, Ismet D. hat als selbst ernannter Emir und „Weisenratspräsident“ eine islamistische Extremistengruppe in Tiergarten führen wollen. Dazu zählten vor allem türkische und russische Staatsangehörige tschetschenischer und dagestanischer Herkunft.

Ismet D. soll diese Gruppe durch „Islamunterricht“ radikalisiert und auf den Dschihad gegen Ungläubige in Syrien vorbereitet haben. „Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Gruppierung Anschläge in Deutschland geplant hat“, erklärte gestern ein Staatsanwaltssprecher.

Als Vorsitzender des Vereins „Fussilet 33“ soll Ismet D. zuletzt in der Perleberger Straße in Moabit Männer rekrutiert haben. „Fussilet 33“ wurde im Januar 2011 gegründet. Erster Standort war die Reinickendorfer Straße in Wedding. Zwischenzeitlich soll Ismet D. immer wieder die Vereinsräume gewechselt haben, auch in Brandenburg seine Ideologien verbreitet haben.

Seit einem Jahr sucht D. die Nähe zu Imam Murat Atajev, der seit 2008 bereits sechs Mal von der Polizei befragt wurde. Bei dem hatten die Behörden jedoch nie etwas gefunden. Der 29-jährige Mann ist neben Ismet D. der zweite Imam im Verein, spricht russisch und hat gute Kontakte zu Tschetschenen. Er sagt zum KURIER, dass er nichts von den terroristischen Vorhaben seines Vereins-Kollegen wusste.

Mit Ismet D. bekam auch sein Finanzbeschaffer Emin F. (43) Haftbefehl. Offiziell war er der Friseur der 20-köpfigen Gemeinde. Emin F. soll die Gruppe bei der Ausreise nach Syrien unterstützt und später Geld zur Finanzierung von Straftaten zur Verfügung gestellt haben. Außerdem sollen Ismet D. und Emin F. die Ausgereisten mit hochwertigem militärischem Material ausgerüstet haben – darunter auch spezielle Nachtsichtgeräte.

Die Spur zu Ismet D. führte über Murat S. (40). Der Terrorverdächtige wurde am 19. September vergangenen Jahres wegen des dringenden Verdachts der Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat festgenommen, kam in U-Haft und sitzt noch immer. Murat S. ist ein Syrien-Rückkehrer, der vor seiner Ausreise regelmäßig im Islamunterricht von Ismet D. war. Bis zu seiner Festnahme auf einer Baustelle soll er für Ismet D. gearbeitet haben.

Berlin ist mittlerweile eine Hochburg der radikalen Islamisten. Von den bundesweit 7000 erfassten Verdächtigen leben 570 in Berlin. Mehr als ein Dutzend Moscheen und Vereine sind zusätzlich im Visier des Berliner Verfassungsschutzes – darunter die Al-Nur-Moschee in Neukölln und die Moschee „As-Sahaba“ in Wedding.