E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Geschnappt: Der Spediteur des Todes

El Ruso

Miro N. nach der Festnahme im Polizeipräsidium. 

Foto:

Polizei

Berlin/Bogota -

Der Kopf fast kahl rasiert, sein Blick wie Stahl. Miro N. (35) steht fürs Foto vor einer Tafel der Polizei in Kolumbien (Südamerika), damit endet die Karriere des Berliners vom Berufskriminellen zum Drogen-Baron. Die Ermittler werfen Miro N. vor, ein Spediteur des Todes zu sein. Ein ganz dicker Fisch der Kokain-Mafia.

aleman-capturado-droga

Schwerbewaffnete Polizisten führen Miro N. (Mitte) und einen seiner Komplizen ab. Das Bild stammt vom Flughafen. Miro N. ist ins Gefängnis einer anderen Stadt geflogen worden. 

Foto:

Polizei

Erpressung, Diebstahl, Körperverletzung. Verübt in den Jahren 1996 bis 2011. Das alles steht in deutschen Akten über Miro N. (genannt „der Russe“), der zwischen 2012 und 2014 verurteilt in Haft saß und später hier per Haftbefehl gesucht worden ist.

Kein Wunder, dass ihn keiner finden konnte. Miro N. setzte sich in die westkolumbianische Stadt Cartago (133 000 Einwohner) ab, schloss sich dem Kartell „Clan Usuga“ an. Eine paramilitärische Drogen-Armee (2000 Mitglieder), auf deren Boss, Dairo Antonio Usuga (44), in den USA eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt ist. Zum Schluss soll Miro N. direkten Kontakt zu ihm gehabt haben. In Kolumbien ist das unter Kriminellen wie ein Ritterschlag. Usuga ist einer der meistgesuchten Gangster des Landes, ließ mehrere Massaker anrichten und wechselt ständig seinen Aufenthaltsort.

Den Berliner konnte Usuga (alias „Otoniel“) offenbar gut gebrauchen. Für ihn mitorganisierte Miro N. den Ankauf und Schmuggel von wöchentlich zwei Tonnen Kokain nach Panama und in andere mittelamerikanische Länder, von wo es in die USA und nach Europa gebracht wird. Gruppen von zehn bis 15 Kurieren tragen das Kokain durch den Dschungel an ihre Zielorte.

Jeder transportiert Päckchen von bis zu 20 Kilo. Zu Beginn soll Miro N. den Schmuggel über Land noch begleitet haben. Sehr viel mehr Drogen aber landen in speziell ausgestatteten Flugzeugen, die unterm Radar fliegen. Auch darin ist Miro N. verwickelt.

Neben ihm sind in diesem Fall elf weitere Täter in verschiedenen Städten festgenommen worden. Alles Kolumbianer. Ermittler stellten 1125 Kilo Kokain, knapp 200 000 Dollar und zwei Nobelkarossen sicher. Miro N., der am ganzen Körper tätowiert ist, ist in seinem Haus gefasst worden. Er soll völlig überrascht gewesen sein, leistete keinen Widerstand. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.