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Der Anschlag von Istanbul: Der Terror zerstörte ihr Lebensglück

Falkensee

Das Rentner-Ehepaar Marianne (73) und Rüdiger F. (71) aus Falkensee überlebte den Anschlag nicht.

Istanbul/Berlin -

33 Deutsche buchten in einem Berliner Touristenbüro eine zehntägige Erlebnisreise. Doch der Traum vom Urlaubsglück in fremden Kulturen endete schon nach zwei Tagen in einem Blutbad. Bomben-Attentäter Nabil al-Fadhli riss in Istanbul zehn Deutsche mit in den Tod – darunter einen Berliner (72) und zwei Brandenburger (71, 73).

Das harte Arbeitsleben hatten sie abgehakt, die Welt stand ihnen endlich für die schönen Dinge des Lebens offen. Sie alle freuten sich auf Istanbul, Dubai und Abu Dhabi. Doch plötzlich kommt alles anders.

Birgit G. aus Köpenick liegt noch immer schwer verletzt im Istanbuler Krankenhaus. Ihr Mann Adolf G. (72) hatte weniger Glück. Er starb bei dem Anschlag in Nähe der berühmten Blauen Moschee und hinterlässt eine Tochter sowie zwei Enkelkinder. „Reisen war ihre große Leidenschaft“, sagt eine Nachbarin. Und das taten sie, so oft sie konnten. Silvester feierte das lebensfrohe Ehepaar beispielsweise am Gardasee.

Auch Marianne (73) und Rüdiger F. (71) aus Falkensee genossen das Leben in vollen Zügen. Doch seit gestern stehen die 4.300 Einwohner der Kleinstadt im westlichen Speckgürtel Berlins unter Schock. Die Fahnen überall auf halbmast. „Der Terror hat uns auch in Falkensee erreicht“, sagt Bürgermeister Heiko Müller.

Die beiden Söhne, Schwiegertochter und zwei Enkelkinder hatten bereits eine böse Ahnung, als sie von den Anschlägen erfuhren. 

Kurz darauf entdeckte Schwiegertochter Birgit F. im Internet ein Foto vom Tatort und erkannte Marianne und Rüder F. als Opfer wieder. Noch in der Nacht zu Mittwoch standen dann plötzlich Beamte des Bundeskriminalamtes vor der Tür und überbrachten die traurige Nachricht.

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Innenminister Thomas de Maizière und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu besuchen Verletzte im Krankenhaus.

Foto:

dpa

Das sehr aktive Ehepaar war trotz der Anschläge in Ägypten vor einigen Jahren weiter in muslimische Länder gefahren. Getreu dem Motto: „Wir lassen uns das Leben nicht verbieten.“

Bis zur Rente arbeiteten sie als Metzger und prägten den Sportverein TSV Falkensee, womit sie sich in der Kleinstadt unvergesslich gemacht haben. Die rund 2.300 Mitglieder trauern auf der Vereinsseite: „Marianne und Rüdiger waren seit vielen Jahren Mitglieder und haben sich gerade bei Veranstaltungen immer gern ehrenamtlich engagiert.“ Die weiteren Todesopfer aus Deutschland kamen aus Sachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz.

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Sie gehörte zu den Opfern des Anschlags: Karin F. (70) aus Leipzig. Als Rentnerin wollte sie die Welt bereisen.

Foto:

privat

Die pensionierte Lehrerin Karin F. (70) aus Leipzig wollte im Ruhestand die Welt bereisen und kam um. Der Dresdner Gerhard H. (70) nahm seinen Sohn Steffen H. (51) mit. Beide tot. Aus Rheinland-Pfalz starben das Mainzer Ehepaar Hiltrud (59) und Rudolf K. (61) sowie Gernot M. (73) aus Bad Kreuznach. Auch Rüdiger B. (67) aus Stadtallendorf in Hessen überlebte den Anschlag nicht. Seine Frau (50) wurde verletzt.  



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