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25. July 2014
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Wieder judenfeindlicher Übergriff: Al-Kuds-Hass-Demo: Rangeleien mit Israel-Unterstützern

Demo vor der israelischen Botschaft. Auf einem Plakat steht: „Israel bombardiert von unseren Steuern“.

Demo vor der israelischen Botschaft. Auf einem Plakat steht: „Israel bombardiert von unseren Steuern“.

Foto:

imago/Future Image

Der Aufzug geht weiter mit Ziel Wittenbergplatz. Am U-Bahnhof Kurfürstendamm gab es eine Festnahme nach einer Körperverletzung an einem Israeli.

Am Rande der Demonstration kommt es immer wieder zu kleineren Konflikten. Seitlich von der Demonstration laufen zusätzlich immer wieder kleinere Gruppen Palästinenser, die gezielt nach Gegendemonstranten suchen. Die Zählung auf der Wegstrecke ergab 1100 Teilnehmer der Demonstration. Sollten irgendwo Sitzblockaden entstehen, wird die Polizei sie nun immer sofort räumen. Werden auf der kommenden Strecke Personen mit Israelfahnen beobachtet, spricht die Polizei sie an und erteilt Platzverweise.

Bei der Hass-Demo Al Kuds ist es am späten Nachmittag zu chaotischen Szenen gekommen: Zeugen berichten, dass Ordner der Demo am KuDamm gegen Polizisten losgingen! Zuvor war es Gegendemonstranten immer wieder gelungen, an Polizisten vorbei auf den KuDamm zu stürmen. Beim Aufeinandertreffen der Streithähne kam es zu Rangeleien. Die Polizei setzte vorübergehend 150 Gegendemonstranten fest, diese ungingen die Polizeisperren jedoch immer wieder.

Auf der traditionellen Hass-Kundgebung Al Kuds brüllten Demonstranten israelfeindliche Parolen, hielten symbolisch blutverschmierte Puppen in die Luft und brüllten: "Kindermörder!" Unter den Demonstranten wurden auch vereinzelte Neonazis ausgemacht, darunter der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke. Mehr Sorgen bereit der Polizei allerdings eine Gruppe von rund 200 aggressiven Jugendlichen, die sich im Verlaufe des Protestzuges an die Spitze der Demonstration gesetzt haben.

Ordner stoppten judenfeindliche Provokationen bereits zu Beginn der Demo. Die Polizei ging von Beginn an rigoros gegen beleidigende Slogans vor. Ein Plakate mit den Sprüchen "Ein Holocaust rechtfertigt keinen nächsten" und "Völkermord unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung" wurden einkassiert. Toleriert wurden dagegen schwarze T-Shirts, auf denen einige Al-Kuds-Demonstranten "Nein zu Zionismus, Ja zu Widerstand" sowie einen Kämpfer mit Maschinengewehr auf der Brust tragen.

1500 Teilnehmer erwarten die Veranstalter, so viele wie nie zuvor. Der KURIER zählte beim Abmarsch der Demo rund 1200 Personen.

Am späten Nachmittag setzte sich der Protestzug schließlich über den Kurfürstendamm Richtung Wittenbergplatz in Bewegung. Kurios: zu den Demo-Sprechern gehören auch zwei orthodoxe Rabbis, die sich aus religiösen Gründen gegen den sogenannten Zionismus und den Staat Israel wenden.

Auf der nächsten Seite: massive Gegendemos, viele Politpromis - und die Nacktpiratin

Bereits am Startpunkt erwarten Israel-Unterstützer die Demonstranten. Eine weitere Gegendemonstration hat sich am George-Grosz-Platz formiert, ebenfalls an der Demo-Route.

Unter den Gegendemonstranten viel lokale Polit-Promis, darunter Ramona Pop (Grüne), Stefan Liebich (Linke) und die als Nackpiratin bekannt gewordene Anne Helm, allerdings voll bekleidet:

Auf der nächsten Seite - Judenhass: Brutalo schlägt jungem Mann ins Gesicht

Am Vorabend hatte ein Brutalo einen jungen Mann offenbar aus Judenhass unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Das Opfer, 18, war mit Kippa auf dem Kopf in der Augsburger Straße (Charlottenburg) unterwegs. Anschließend soll der Täter noch absichtlich auf die durch den Schlag heruntergefallene Brille des Mannes getreten sein. Der Angegriffene flüchtete in eine nahegelegene Synagoge. Der Täter flüchtete unerkannt. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Bei Palästinenser-Demos am vergangenen Wochenende wurden antisemitische Sprüche skandiert, und ein zufällig vorbeilaufender jüdischer Tourist wurde fast verprügelt. Am Montag hielt die Polizei Demonstranten davon ab, in die israelische Botschaft einzudringen.

Angeheizt wurde die Stimmung durch einen Hassprediger, der in der Berliner Al-Nur-Moschee explizit dazu aufrief, Juden zu töten.

Auf der kommenden Seite: Polizei will konsequent durchgreifen

Die Polizei wirkte hoffnungslos überfordert - von vielen Seiten hagelte es Kritik, die Beamten hätten nicht oder nicht konsequent genug durchgegriffen. Doch diesmal ist die Polizei vorbereitet, will bei den kleinsten Vorkomnissen konsequent durchgreifen. Klare Worte von Berlins Innensenator Henkel: Ich habe deutlich gemacht, dass in Berlin kein Platz für Antisemitismus ist. Wenn aber jemand Demonstrationen oder das Recht auf Meinungsfreiheit dazu nutzt, um antisemitische Parolen zu verbreiten oder Menschen jüdischen Glaubens tätlich anzugreifen, so hat er die Konsequenzen aus diesem Missbrauch zu tragen.“

Kurioserweise wendet sich aber selbst der Veranstalter der Al-Kuds-Demo gegen Judenhass - das Motto des Aufmarsches lautet „Gemeinsam gegen Zionismus und Antisemitismus“. Die seit 1979 veranstalteten Al-Kuds-Aufmärsche haben von Beginn an Hass gegen Israel propagiert, allerdings in Berlin bislang nur wenige Hundert Leute mobilisiert.

Bereits am Donnerstag bekundeten mehrere Hundert Menschen friedlich ihre Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen. Zu einer Demo in Kreuzberg, die von der Antifa mitveranstaltet wurde, kamen rund 200 Menschen zusammen. Redner verurteilten am Donnerstagabend am Kottbusser Tor die israelischen Militäraktionen gegen die radikalislamische Hamas, bei denen bisher mehrere Hundert Menschen zu Tode kamen, darunter ganze Familien.

Einen Protestzug durch das Stadtviertel ließ die Versammlungsbehörde nicht zu, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Die Kundgebungsteilnehmer waren aufgefordert worden, antisemitische Parolen zu unterlassen. Um Mitternacht gedachten am Hermannplatz rund 300 Männer, Frauen und Kinder den Opfern israelischer Bombardements in Gaza. Sie hielten Kerzen in den Händen und verurteilten so das Blutvergießen. „Aus Sicht der Polizei war das eine völlig friedliche Veranstaltung“, sagte ein Sprecher am Freitagmorgen. Israel will mit seinem Militäreinsatz den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen unterbinden.

Für Samstagabend ist eine weitere Demo angekündigt, die von den beiden größten deutschen Islamverbänden veranstaltet wird: Ab 17 Uhr wollen die Demonstranten vom Kreuzberger Oranienplatz zum Potsdamer Platz ziehen.

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