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Piratenpartei entert Berlin: Wie sehr bringen die Piraten die Polit-Dickschiffe in Seenot?

Berlin -

Klar zum Entern: Die Piratenpartei ist dabei, das Abgeordnetenhaus mit 9 Prozent zu erobern. Und bringt damit die Dickschiffe der etablierten Parteien in Seenot. Na das kann ja was werden...

Das ist nur ein Ergebnis des großen Wahlbarometers von Berliner KURIER und Berliner Rundfunk 91.4. Mehr als 1.500 Berliner hatte das Meinungsforschungsinstitut Info GmbH befragt – nach den TV-Duellen und nach der Grünen-Festlegung auf eine rot-grüne Koalition. Die scheint laut der Umfrage möglich, Rot-Rot dagegen ist am Ende.

Der Angriff der Piraten bringt das Grünen-Schiff am stärksten in Schieflage: Einerseits haben die Grünen die besten Chancen, anstelle der Linken ins Koalitionsbett mit der SPD zu springen. Aber die Piraten ziehen zwar auch bei Splitterparteien, der SPD und der Linken, aber vor allem bei ihnen Stimmen ab. 28 Prozent der Piraten-Freunde würden grün wählen, wenn es die Piraten nicht gäbe Von 31 grünen (Umfrage-)Prozent im Mai sind unter anderem deshalb jetzt nur noch 18 Prozent übrig.

Wenn die Berliner den Regierenden Bürgermeister direkt wählen könnten, läge Klaus Wowereit weit, weit in Führung, Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast wäre inzwischen von Frank Henkel (CDU) überholt. Die SPD insgesamt liegt bei 31 Prozent, 9 Punkte vor der CDU. Die Linke hat sich nach dem 8-Prozent-Tief der letzten Umfrage kurz vor dem Mauerbau-Jahrestag auf 12 Prozent erholt, das reicht aber nicht für eine Fortsetzung der rot-roten Koalition. Aber es gibt noch eine Chance.

Die SPD hat nämlich drei Möglichkeiten: Sie kann mit den Grünen, mit der CDU – oder in einer rot-rot-orangefarbenen Troika. Holger Liljeberg von Info Gmbh: „Wenn Rot und Grün nicht zusammenfinden und Wowereit dabei bleibt, nicht mit der CDU regieren zu wollen, kommen vielleicht auch die Piraten für eine Regierungsbildung in Frage. Nur ein Drittel der Berliner würde das explizit ablehnen.“

Die CDU-Strategen müssen darüber nachdenken, ob Sicherheitsfragen wirklich wirken. Liljeberg: „Die zum Thema hochgepushten Autobrände sind für 85 Prozent nicht entscheidend für die Stimmabgabe. Die Mietentwicklung beeinflusst dagegen bei mehr als 40 Prozent der Befragten die Wahlentscheidung.“ GL