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DDR-Museum: Der Hüter der Mangelwirtschaft

Robert Rückel, Direktor des DDR-Museums

Robert Rückel, Direktor des DDR-Museums in Mitte, zeigt das „Mangel-Tagebuch“. Seit Eröffnung der Ausstellung liegt das Stück in einer der Vitrinen und zeigt, wie kein anderes Dokument, den Mangel in der DDR.

Foto:

Lebie

Warum ist die Banane krumm? Weil sie jahrelang einen Bogen um den Osten machen musste! Wer im Internet nach Witzen über die ehemalige DDR sucht, wird mit einem immer wieder konfrontiert: Dem Mangel, der an vielen Ecken und Enden der Planwirtschaft herrschte.

Kein Zeitzeugnis dokumentiert die Situation besser als das, was Robert Rückel (32), Direktor des DDR-Museums in Mitte, für den KURIER aus der Vitrine holte: ein echtes „Mangel-Tagebuch“! „Es kommt von einer Frau namens Ingeborg Lüdicke“, erzählt er. „Sie lebte in Oranienbaum-Wörlitz in Sachsen-Anhalt und schrieb in den 80er-Jahren auf, was es in den Geschäften nicht gab.“

Das liest sich 1983 so: „31.10. Kein Mostrich“ – „1.11. Zahnarzt: Kein Material für Kronen.“ – „17.11. Apfelgeleegläser ohne Etikett, sodass alle annahmen, Honig erwischt zu haben.“ – „5.12. Weihnachtsmarkt kannst du vergessen!“

Das Büchlein, eine Schenkung von Lüdickes Familie, befindet sich seit der Eröffnung des Museums vor zehn Jahren in der Dauer-Schau. Für Rückel ein sehr wichtiges Dokument: Es illustriert eine Tatsache, die man anders kaum darstellen könnte. „In der DDR gab es alles zu kaufen – oft kamen die Dinge nur leider nicht an den Orten an, wo sie gebraucht wurden“, sagt er.

Was aus heutiger Sicht lustig klingt, zeigt auch, dass die DDR „bei aller Ostalgie kein Schlaraffenland war“, sagt der Museums-Chef. „Dass elementare Dinge oft nicht zu bekommen waren.“ Und noch eines beweisen die Aufzeichnungen: Dass die DDR-Bürger, in Witzen oft als ewige Schlangesteher charakterisiert, nicht alles mitmachten: „12.12. Es gab Salzheringe, eine lange Schlange wartete bei –10 Grad. Ohne mich. Lieber essen wir keine!“ FTH



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