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Abschied von Kultsänger Achim Mentzel : Der singende Polsterer aus dem Prenzlauer Berg

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Seine Erscheinung sei „irgendwo zwischen Tony Marshall, dem Yeti und einem überfahrenen Hamster“, hieß es über Achim Mentzel.

Foto:

imago/Gueffroy

Er trug ein Brusthaar-Toupet (behauptete er zumindest keck), darüber eine Goldkette. Dazu seine ewige 1980er-Jahre-Minipli-Frisur, die er  steif und fest als Naturlocken verteidigte.

Achim Mentzel prägte sich einem ein – ob man wollte oder nicht.  Wer mit dem Kult-Ossi (einer seiner Spitznamen) redete, ihm zuhörte, hatte das Gefühl: Der ist wie ein Kumpel, ein manchmal etwas nerviger, aber netter Nachbar von nebenan, der sich mal eben über den Gartenzaun beugt und  plappert, wie ihm die Schnauze gewachsen ist. Sich dabei selbst nicht so ernst und gerne auf die Schippe nimmt. Irgendwie niedlich und immer nett.

Man konnte ihm kaum böse sein. Nun ist dieser Pfundskerl, diese Ostberliner Pflanze mit 69 Jahren in Cottbus gestorben. Um 13 Uhr hörte sein Herz am Montag auf zu schlagen. Am Morgen war ihm schwindelig gewesen, er hustete, kam ins Krankenhaus – und nun ist er nicht mehr da. Dabei hatte Achim Mentzel noch soviel vor, wollte seinen 70. Geburtstag feiern, es richtig krachenlassen. Außerdem standen schon die Tournee-Daten mit Schlagersänger-Freund Uwe Jensen   – um dem verstorbenen Udo Jürgens ein Denkmal setzen.

„Mit 66 Jahren fängt das Leben an“ wollten er und Jensen neben anderen Songs zum Besten geben. Das kann er jetzt nicht mehr. Schade. Mentzel (1946 in Ostberlin geboren) wuchs im Prenzlauer Berg auf.  Er liebte die alten Häuser, die Hinterhöfe. Das war sein Berlin. Und den Fußballverein „Vorwärts Berlin“. Er kickte fast täglich auf dem Rasen, galt sogar als hoffnungsvolles Talent, stand vor einer Profilaufbahn.

Als der Verein allerdings nach Frankfurt/Oder zog, blieb Kicker Mentzel in Berlin und bastelte an seiner Musiker-Karriere, blieb allerdings eingefleischter Fußball-Fan – erst beim FC Union, später bei Energie Cottbus. Für Energie schrieb er die Stadion-Hymne, bei Union sang er den Kulthit „Stimmung in der Alten Försterei“. Doch das war später. Als Teenager  lernte er zuerst etwas  „Solides“ – das Handwerk des  Polsterers. Darauf pochten seine Eltern.

Trotzdem:  Mit  15 Jahren rockte Mentzel bereits mit dem Diana-Schau-Quartett durch Ostberliner Kneipen. Er kopierte die Songs der Beatles und Rolling Stones. Die liebte Mentzel. Er verstand zwar kein Wort, wie er mal zugab. Trotzdem – diese Bands und  dazu seine exzessiven Auftritte. Das  fand das Publikum toll.

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