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Abschied von Kultsänger Achim Mentzel (†69): Der Zonen-Zottel wird Kult im Westen

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2010: Mentzel mit Tanzpartnerin Sarah Latton bei der RTL-Show „Let’s dance“.

Foto:

imago/APress

Er saß daheim auf seinem braunen XXL-Lesersofa unter den rustikalen Eichen-Vitrinen und brach in irres Gelächter aus: Im Fernsehen zog gerade ein Wessi in dessen Satire-Show „Kalkofes Mattscheibe“ über ihn her. Zonen-Zottel nannte ihn dieser Oliver Kalkofe, für den die TV-Show „Achims Hitparade“ mit dem dicken Mentzel eine wahre Fundgrube zu sein schien.

Andere hätten Kalkofe verklagt, viele seiner Opfer haben es auch getan. Mentzel nicht. Er schlug sich auf die Schenkel. Und war sich sicher: Jetzt kennt mich jeder im Westen. Aber er „rächte“ sich, schrieb in seiner Sendung „Kalki ist doof“ auf eine Tafel, rief den ziemlich verdutzten Kalkofe an – und die beiden wurden Freunde.

Ganz dicke sogar. 2011 ging das Duo sogar mit einer Show auf Tour. Kalkofe verabschiedete sich jetzt rührend von Mentzel, schrieb ihm in den „Gurkenhimmel“: „Was soll ich denn ohne dich machen?“

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Satiriker Kalkofe (r.) und Mentzel bei einem gemeinsamen Auftritt 2011 in Leipzig. 

Der zweite Wessi, der ihn bekanntmachte, war Rainald Grebe. Der sang böse in seiner Brandenburg-Ode: „Im Adlon ist heut Nacht Hillary Clinton. In Schwedt kann Achim Mentzel das Autohaus nicht finden.“

Wieder nahm er das mit Humor. Dieser Grebe hatte ja Recht: Mentzel sang nach der Wende in Autohäusern, Einkaufszentren, Altersheimen und Möbelhäusern – und fand es super. Es sei doch egal, wo er singe. Hauptsache, er singe.

Mentzel war spätestens ab da der Kult-Ossi. Seine TV-Hitparade lief bis 2006. Er kochte beim „Promi-Dinner“, tanzte wild bei „Let’s Dance“, plauderte in Talkshows und spielte Mini-Rollen in Kalkofes Filmen „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“. Zurzeit werden viele Sendungen wiederholt. Am 6. März ist Mentzel in einem „Tatort“ zu sehen. Er spielt – wie kann es anders sein – in der Schlagerwelt.

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Reinald Grebe ( li.), der in seinem Lied „Brandenburg“ Mentzel verhöhnte, mit dem Entertainer in Potsdam. 

Foto:

IMAGO

Er habe Glück gehabt, sagte er mal. Habe immer seine Familie ernähren können. Vielleicht auch wegen seiner dicken Prise Humor und Leichtigkeit. Weil er das Leben nahm, wie es kam. Aber auch oft auf der Überholspur lebte. Es sei zu kurz, um etwas zu verpassen, sagte er oft.



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